Zu wenig Leseplätze in der HU-Zentralbibliothek: Bibliothek stöhnt über Besucher

Die neue Zentralbibliothek der Humboldt-Universität ist überlaufen. Um Platz zu schaffen, müssen Angestellte jetzt die Nutzer kontrollieren. Beide Seiten sind verärgert.

Genug Platz in der Zentralbibliothek - davon können Leser nur träumen Bild: dpa

Seit Montag ist in der Zentralbibliothek der Humboldt Universität (HU) einiges neu. Weil die Schränke für die vielen Nutzer nicht ausreichen, gibt es eine neue Garderobe. Die Leseplätze im Ostteil des Gebäudes sind vor allem für Studenten und Mitarbeiter reserviert, und wer aufsteht und für länger als eine Stunde weg ist, kann seinen Platz verlieren. "Es ist ein absolutes Chaos", beschwert sich eine Philosophiestudentin. Auf einem Aushang für die Leser bittet die Bibliotheksleitung um Verständnis: "Aufgestanden, Platz vergangen? Ja, nach 60 Minuten", und "Ungewöhnliche Situationen verlangen ungewöhnliche Maßnahmen."

Dabei ist die Situation gar nicht so ungewöhnlich: Seit die neue Zentralbibliothek der HU im Oktober eröffnet wurde, ist sie vollkommen überlaufen. Der Neubau ist zwar mit 1.250 Arbeitsplätzen ausgestattet, aber das reicht nicht für die rund 5.000 Menschen, die täglich die Bibliothek nutzen. Schon in den ersten Wochen bekamen Studierende nur einen Arbeitsplatz, wenn sie ihn besonders früh besetzten. "Es war jetzt höchste Zeit, dass wir reagieren", sagt die Sprecherin der Universitätsbibliothek, Katharina Tollkühn. Seit Anfang der Woche gilt deshalb: Wer seinen Leseplatz verlässt, muss sich mit Uhrzeit austragen. Bibliotheksangestellte müssen die Plätze derjenigen räumen, die nicht innerhalb von 60 Minuten zurück sind.

Damit sind aber weder Angestellte noch Studenten zufrieden. "Die Kollegen sind ziemlich deprimiert, dass sie die Bücher der Nutzer wegräumen müssen, und die Studenten verärgert es, dass sie ihre Sachen nicht mehr finden", sagt eine Mitarbeiterin. Eine Kollegin meint: "Man kann doch nicht erst eine Bibliothek für die Öffentlichkeit öffnen und dann mit solchen absurden Reglementierungen ankommen."

Mehr Platz gab es am Montag trotz neuer Regeln nicht. "Es bringt einfach nichts, hierherzukommen - ist ja eh alles voll", stöhnt ein Literaturstudent. Und im ReferentInnenrat der Studierenden wettert Sprecher Gerrit Aust: "Die Maßnahme zielt vollkommen am Problem vorbei: Es wird nicht mehr Platz geschaffen, und benachteiligt werden wieder Menschen mit eingeschränkter Mobilität, die sich nicht schnell genug bewegen können."

Warum die neue Bibliothek so populär ist, weiß noch niemand. Zwar wurden zwölf Standorte der Bibliothek im Neubau zusammengelegt, doch die Zahl der Leseplätze wurde auch verdoppelt. Möglich ist, das Jurastudenten und Nutzer der Staatsbibliothek die HU-Zentralbibliothek mitnutzen - dort wird zur Zeit gebaut. Aber auch dort geht es nur um insgesamt etwa 1.000 Leseplätze. "Wir sind mit dem hohen Andrang einfach überfordert", sagt Sprecherin Katharina Tollkühn. "Aber ehrlich gesagt: Lieber so als andersherum."

Eine bessere Lösung scheint schließlich niemand parat zu haben. "Abreißen und mit mehr Platz neu bauen", fordert Studierendensprecher Aust ironisch. "Aber das ist wahrscheinlich nicht praktikabel." Die Bibliotheksleitung hofft indessen, dass bei besserem Wetter bald wieder weniger Menschen die Bibliothek aufsuchen. "Wir könnten höchstens 50 weitere Leseplätze einrichten", sagt Sprecherin Tollkühn. Wenn die Nutzerzahlen sinken, werde man die neuen Regeln wieder aufheben.

Einmal zahlen
.

Fehler auf taz.de entdeckt?

Wir freuen uns über eine Mail an fehlerhinweis@taz.de!

Inhaltliches Feedback?

Gerne als Leser*innenkommentar unter dem Text auf taz.de oder über das Kontaktformular.

Mit der taz Bewegung bleibst Du auf dem Laufenden über Demos, Diskussionen und Aktionen in Berlin & Brandenburg. Erfahre mehr

Bitte registrieren Sie sich und halten Sie sich an unsere Netiquette.

Haben Sie Probleme beim Kommentieren oder Registrieren?

Dann mailen Sie uns bitte an kommune@taz.de

Ihren Kommentar hier eingeben