Wirtschaftskrise erreicht Deutschland: Exporte und Aufträge brechen weg

Die Wirtschaftskrise zieht die deutsche Industrie in Mitleidenschaft: Die Nachfrage aus dem In- und Ausland sinkt im Rekordtempo.

Viel weniger zu verladen als noch vor wenigen Monaten: Containerhafen Hamburg. Bild: ap

BERLIN taz Der Berufsoptimismus funktioniert nicht mehr. Erst vor wenigen Tagen hatte der Bundesverband des Deutschen Groß- und Außenhandels (BGA) erklärt, der Export werde sich im November und Dezember "rückläufig" entwickeln, von einem Einbruch müsse man aber nicht sprechen. Die Zahlen des Statistischen Bundesamts in Wiesbaden zeigen nun aber: So rapide wie im November 2008 hat sich der deutsche Export seit 15 Jahren nicht mehr verschlechtert. Im Vergleich zum Oktober führten die deutschen Unternehmen 10,6 Prozent weniger Güter aus, im Vergleich zum November 2007 sogar minus 11,8 Prozent.

Am heftigsten traf es den Export in andere EU-Länder, der mit 48,4 Milliarden Euro zwei Drittel des Gesamtwerts ausmacht. Er brach gegenüber dem Oktober um 14 Prozent ein.

Dabei war die noch einigermaßen optimistische Einschätzung des BGA nicht vollkommen aus der Luft gegriffen: Bis auf einen Ausreißer im August war der Export, der für die deutsche Wirtschaft der Konjunkturmotor schlechthin ist, bis Oktober trotz der Finanzkrise stetig weiter gewachsen.

Was allerdings ein deutliches Signal hätte sein müssen, ist der Rückgang der Auftragseingänge sowohl bei der Inlands-, aber eben auch bei der Auslandsnachfrage, der schon im Spätsommer begonnen hatte - und nun ebenfalls an Tempo zulegt. Laut Bundeswirtschaftsministerium gingen in den Monaten Oktober/November im Vergleich zum August/September insgesamt rund 13,1 Prozent weniger Bestellungen bei den deutschen Unternehmen ein. Dabei nahm die Nachfrage aus dem Ausland mit 14 Prozent noch stärker ab als die im Inland, die um 12,2 Prozent nachließ. Gegenüber Oktober/November 2007 betrug der Auftragsrückgang insgesamt 22,4 Prozent, wobei es 26,4 Prozent weniger Auslandsorder und 17,9 Prozent weniger Bestellungen aus dem Inland gab. Auch das ist ein Rekord: Seit das Wirtschaftsministerium 1998 angefangen hat, die Daten auf diese Weise zu strukturieren, hat es kein stärkeres Minus gegeben. Betroffen war alle Branchen, am stärksten die metallverarbeitende Industrie und der Maschinenbau.

"Der starke Rückgang der Bestelltätigkeit setzt sich fort", hieß es aus dem Ministerium. Die Nachfrage nehme auf breiter Front ab. "Die Industrieproduktion wird angesichts der Auftragsentwicklung in den kommenden Monaten weiter deutlich zurückgehen."

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