Wirtschaftsforscher sind optimistisch: Prognosen gegen die Krise

Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung bleibt trotz der drastischsten Rezession seit dem Krieg entspannt.

DIW-Chef Zimmermann: "Konjunkturelle Prognosen sind eben 'Wenn-Dann-Aussagen.'" Bild: dpa

BERLIN taz Der schlimmste Konjunktureinbruch in der Geschichte der Bundesrepublik wird nach Einschätzung des Deutschen Institutes für Wirtschaftsforschung (DIW) auf dem Arbeitsmarkt nur mäßigen Schaden anrichten. Zwar rechnet das DIW bis 2010 mit insgesamt bis zu 450.000 Arbeitslosen mehr in Deutschland. Allerdings seien seit 2006 auch 1,5 Millionen neue Jobs entstanden.

Und weil die Wirtschaftsforscher zudem erwarten, dass es unter anderem wegen der weltweiten Konjunkturprogramme wirtschaftlich ab Ende dieses Jahres wieder aufwärts geht, würden die Firmen vor allem versuchen, gut qualifizierte Fachkräfte zu halten. Das DIW geht für 2009 von einem Rückgang des Bruttoinlandsproduktes um 1,1 Prozent aus, für 2010 dann wieder von einem Plus in gleicher Größe.

Noch im Oktober hatte das DIW für 2009 ein Plus von gut einem Prozent erwartet, obwohl schon die Finanzkrise tobte. "Wir haben damals diskutiert, ob wir überhaupt noch eine Prognose abgeben", räumte DIW-Chef Klaus Zimmermann ein. Weil die Forscher aber davon ausgingen, dass sich die Finanzmärkte durch die politischen Maßnahmen beruhigten, habe man ein, wenn auch geringes, BIP-Wachstum für möglich gehalten. Konjunkturelle Prognosen seien eben "Wenn-Dann-Aussagen", sagte Zimmermann, und verwies bedauernd darauf, dass es ihm nicht gelungen sei, unter seinen Kollegen einen vorläufigen Prognosestopp durchzusetzen.

So muss nun auch das DIW als größtes deutsches Wirtschaftsforschungsinstitut wieder eine Zahlenkolonne für 2009 in die Welt setzen. Die Arbeitslosenquote wird danach von derzeit 7,5 Prozent im laufenden Jahr auf 8 und dann auf 8,6 Prozent steigen, die Verbraucherpreise nur noch leicht anziehen (1,1 bzw. 1,3 Prozent). In diese Prognosen ist aber das gegenwärtig diskutierte Konjunkturpaket II noch nicht eingeschlossen.

Hier sieht das DIW geplante Steuersenkungen wegen des Staatsdefizits ebenso skeptisch wie die kurzfristige Förderung der Baubranche, die wegen mangelnder Kapazitäten zu steigenden Baupreisen führen werde. Besser wäre es, Investitionen in die Infrastruktur über mehrere Jahre zu verteilen und gleichzeitig in die Weiterbildung von Kurzarbeitern oder Arbeitslosen zu investieren. Ferner sollte der Bund für ein Jahr die Sozialversicherungen von Kurzarbeitern übernehmen. Dies soll es Unternehmen leichter machen, ihre Belegschaft bis zum Ende der Krise zu halten.

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