Windenergie in Schleswig-Holstein: Windige Hoffnungsträger

Schleswig-Holstein zieht Bilanz des Windjahres 2009 und ist trotz Wachstum auf Platz vier zurückgefallen. An der Spitze steht Niedersachsen.

Neue Spargel: mehr Strom mit weniger Mühlen. Bild: dpa

Weniger Mühlen, mehr Energie: Zum ersten Mal ist die Zahl der Windräder in Schleswig-Holstein niedriger als ihre Leistung in Megawatt. 2009 erzeugten die 2.593 Windspargel im Land 2.717 Megawatt Strom, das übertrifft das Vorjahresergebnis um neun Prozent. Das Land erzeugt knapp 40 Prozent seines Nettostromverbrauchs mit Wind und könnte anfangen zu exportieren, etwa an Hamburg. "Wir haben es mit einer neuen, effektiveren Generation von Mühlen zu tun", sagte Matthias Volmari von der "Netzwerkagentur windcomm", einer vom Land geförderten Beratungsstelle, die der Windkraftnutzung Flügel machen soll.

Das "Repowering", also das Ersetzen älterer Mühlen durch neuere, komme landesweit unterschiedlich schnell voran: "Da ist noch Potenzial", sagte Volmari, der gestern gemeinsam mit Walter Eggersglüß von der Landwirtschaftskammer und Hermann Albers, Landeschef des Bundesverbandes Windenergie, Bilanz des Windjahres 2009 zog.

Ein Problem war das Wetter: Es wehte zu schwach, die Leistungen blieben bis zu 15 Prozent hinter den Durchschnittswerten zurück. Die Umsätze und Neubauten stiegen nach einem schwachen Jahr 2008 dennoch wieder an. So drehen sich 104 neue Anlagen, die sich vor allem auf die Küstenkreise verteilen. 78 Alt-Mühlen wurden abgebaut. Bei 350 Millionen Euro, die direkt in Anlagen und Technik investiert wurden, und einer halben Milliarde Euro Umsatz durch Stromeinspeisung sei die Branche ein "Pfeiler in der Krise", so Albers: "Das ist Geld, das es früher nicht gegeben hat. Auch die Kommunen profitieren von Gewerbesteuern, besonders wenn es sich um Bürgerwindparks handelt." Dabei dürfen nur Leute aus dem Dorf Anteile der Windmühlen kaufen - und da jeder investieren darf, gibt es auch selten Ärger um Lärm oder freie Sicht.

Bundesweit stieg die Zahl der Windräder 2009 um 952 auf 21.164

Niedersachsen ist Spitze bei der Gesamtzahl der Mühlen (rund 5.200) und ihrer Leistung: rund 6.400 Megawatt im Jahr 2009

Den höchsten Anteil von Windenergie am Nettostromverbrauch des Landes weist mit 47 Prozent Sachsen-Anhalt aus, gefolgt von Mecklenburg-Vorpommern (41 Prozent) und Schleswig-Holstein (39,8 Prozent).

Abgeschlagen sind die Stadtstaaten: Berlin steht an letzter, Hamburg an vorletzter Stelle. Bremen dagegen liegt bei der Zahl der Mühlen fast gleichauf mit Baden-Württemberg und noch vor dem Saarland.

Trotz des Wachstums: Schleswig-Holstein, früher führend bei der Windenergie, steht heute nur auf Platz vier der Bundesländer. Dass Niedersachsen, deutlich größer und ebenfalls mit Küste gesegnet, sich auf dem Spitzenplatz behauptet, kann Hermann Albers noch akzeptieren. Doch dass sich eher brisenfreie Landstriche wie Brandenburg und Sachsen-Anhalt an Schleswig-Holstein vorgeschoben haben, soll nicht sein: "Diese Länder würde ich gern im freundlichen Wettbewerb überholen." Dazu müsste mehr Fläche für den Bau von Anlagen freigegeben werden. Bisher sind es maximal ein Prozent der Landesfläche, Brandenburg liegt bei 1,3 Prozent und will auf knapp zwei erhöhen. Wirtschaftsminister Jost de Jager (CDU) habe zugestimmt, die Windflächen auf bis zu 1,5 Prozent zu steigern, sagte Albers.

Ein wichtiges Signal und Beweis für die gute Zusammenarbeit der schwarz-gelben Koalition, erklärten gestern die energiepolitischen Sprecher der Fraktionen von CDU und FDP, Jens-Christian Magnussen und Oliver Kumbartzky: "Mit der SPD war eine Ausweitung über die Ein-Prozent-Regelung nicht machbar." Regina Poersch (SPD) hielt dagegen, die Ausweitung sei "parteiübergreifend Konsens", der Streit über die Urheberschaft daher überflüssig. Neben der Ausweitung sei auch wichtig, dass die Landesregierung gegenüber den Netzbetreibern auf Verbesserung der Netze dränge, sagte Detlef Matthiessen (Grüne).

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