Wie geht's? – Muss! #15: „Nee, das sehe ich anders“
Mein 17. taz lab findet an diesem Samstag statt. Und was haben wir lernen können? Dass es sich lohnt, miteinander zu debattieren. Trotz aller Differenzen freundlich im Ton zu bleiben, ja, mit Respekt die andere Person nur daran zu messen: Sie könnte recht haben.
Nichts ist ja so langweilig, so zeitverschwendend, so gehirnzellenraubend, auch dies eine Lehre, wie der gleichmütige, einvernehmliche, einander bestätigende Austausch, der faktisch immer nur ein Selbstgespräch ist. Ich fand das immer – langweilend. Dieses gewisse: „Findest du nicht auch?“, oder: „Hmm, ja, voll.“ In Wahrheit lebt das demokratische Gespräch vom Disput, von Reibung, vom „Nee, das sehe ich anders“.
Der Ton macht die Musik, immer. Man kann Worte in einer Art aussprechen, die buchstäblich das Gegenüber herabsetzen. Wir bitten bei diesem taz lab darum, nicht jede, je nach Perspektive, misslichen Worte, jede ungeschickte Formulierung auf Goldwaagen zu legen, sondern den günstigsten Fall anzunehmen: dass es nicht böse gemeint war.
taz lab war immer, wenn moralische Großzügigkeit Oberhand hatte, wenn in der anderen Person kein potentieller Belehrling erkannt werden wollte, sondern ein Mensch, der etwas anders als andere formuliert. Wir haben in Hunderten Panels, Workshops und Talks miteinander lernen können, dass dieses gewisse Fingerspitzengefühl sich perfekt eignet, den Faden nicht reißen zu lassen.
Jan Feddersen
Jahrgang 1957, ist bei der taz Redakteur für besondere Aufgaben und taz-lab-Kurator.
Gerade Linke – wie jene, die die taz glühenden Herzens lesen – müssten Brücken bauen wollen zu anderen, die nicht so ticken wie man selbst. In diesem Sinne träume ich meinen linken Traum: generös, keineswegs zahnlos gehaltene Debatten – auch um eigene Fehlbarkeiten. Liebevoll & rabiat, das klappt doch auch bei meinem letzten taz lab, oder? Jan Feddersen
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