: Wenn man einen Blick hinter die Kulissen wagt
Die Jugendherberge liegt idyllisch in den Dünen von Norderney. Zwischen Gräsern und Kaninchen führt ein kurzer Weg direkt bis an den Strand. Weil es gerade aber regnet, wird der Speisesaal zum geteilten Wohnzimmer. Familien sitzen gemütlich um Brettspiele, andere haben sich mit Buch und Heißgetränk in ruhigere Ecken verzogen.
Plötzlich scheppert’s: Ein kleiner Junge krabbelt unter einer Stellwand hervor und wirft eine Tasse um. Als ich noch beim Aufwischen helfe, ist er schon wieder verschwunden. Wenig später biegt ein Mann im Trainingsanzug die Stellwände an der gleichen Stelle auseinander und quetscht sich in die kaum einen Quadratmeter große Fläche dahinter. Als sich junges Mädchen kurz darauf ebenfalls an der Wand zu schaffen macht, wird sie von ihren Eltern zurückgepfiffen: „Mia, das muss doch jetzt echt nicht schon wieder sein!“ Grummelnd geht sie zurück zu Keksen und Kartenspiel.
Norderney
6.180 Einwohner*innen und rund 2.000 weitere, die einen Zweitwohnsitz auf der ostfriesischen Insel angemeldet haben. Neben unzähligen Touris kommen dazu noch geschätzte 30.000 Wildkaninchen.
Jetzt will ich es auch wissen. Betont beiläufig schlendere ich zur geheimnisvollen Wand und schiele durch den Spalt. Dahinter liegt in einem Knäuel aus Kabeln das, was hier bis eben noch so angenehm abwesend war: fünf blinkende Handys, ein Tablet und eine Nintendo Switch an einer riesigen Mehrfachsteckdose. Jan-Paul Koopmann
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