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Wenn es um das große Ganze geht

In Rot und Schwarz prangt „AG Antifa“ auf dem Pappschild eines jungen Studenten. Er sucht nach mir, denn ich bin zu spät. Welch ein Service! Persönliche Eskorte bei einem offenen Treff, für den ich mich nicht angemeldet habe. Word travels fast am HAW Campus am Lübecker Torfeld, wo ich seit zehn Minuten die Dis­kus­sions­ver­an­stal­tung für ein potenzielles Denkmal zu einer Bücherverbrennung suche.

Am Ort des Geschehens, einem grauen Tisch vor einem tristen Glaskomplex, sitzen sechs Leute. Sie wurden bereits im Detail über die Taten der nationalsozialistischen Studierenden informiert, die hier vor knapp 100 Jahren Bücher verbrannten. Nun sprechen wir darüber, wie man gedenken möchte. Kostengünstig wäre eine Tafel, schön wäre eine Skulptur, ideal wäre ein Ort, an dem zeitgleich gedacht, gelebt und diskutiert würde.

Hamburg- St. Georg

12.557 Ein-wohner*innen.

Der in letzter Zeit etwas in Verruf gerate Stadtteil „hinterm Bahnhof“ ist eigentlich sehr ansehnlich. In St. Georg beträgt die Einwohnerzahl pro Kulturdenkmal etwa 36, wenn man denkmalgeschützte Häuser einbezieht.

Wer soll das zahlen? Noch unklar. Wer soll das bauen? Aktuell offen. Wo soll das stehen? Da gibt es mehrere Optionen. Planungstreffen sind anberaumt, früher oder später wird gedacht werden. Ohnehin geht es bald auch eher ums große Ganze. Wie können wir die Hochschullehre antifaschistisch gestalten, und was hat der Kapitalismus damit zu tun? Immerhin kann keiner behaupten, dass nicht gedacht wurde. Antonia David