piwik no script img

Wenn es einem im Restaurant übel aufstößt

Die älteren Herren am Nachbartisch des gutbürgerlichen Lokals in Hitz­acker unterhalten sich lautstark und munter über ihre E-Bike-Tour. Nachdem sich die beiden gegenseitig lang und breit die ­Ra­del­abenteuer des Tags wieder erzählt haben, landet das Gespräch auf einmal bei „denen“. „Die“, so erfahren alle Umsitzenden, hätten nichts Besseres zu tun, als ohne Arbeit he­rum­zu­sit­zen und den Sozialstaat zu plündern. Und, das Allerschlimmste: Während „deutsche“ Frauen so gar keine Kinder mehr bekämen, setzten „die“ eines nach dem anderen in die Welt. Und diese Kinder gingen dann, Gipfel der Frechheit, in die von „uns“ gebauten Schulen.

Über meinem Salat beginne ich leise vor Wut zu kochen. In mir brodelt die Frage: Wohin sonst als in die Schule sollten Kinder, egal wo auf diesem Planeten, denn gehen?

Mein Freund hält mich davon zurück, zum Nebentisch zu stürmen. Immerhin, beim Verlassen des Lokals baue ich mich vor den beiden auf, fixiere sie, bis sie irritiert zurückschauen, und sage laut: „Echte deutsche Männer. Toll.“

Hitzacker

4.560 Ein-­wohner*innen.

Die Stadt im Wendland ist als Teil des Elbe­radwegs Raststation für viele Radtourist*innen. Allweil kommt auch königlicher Besuch vorbei: Beatrix, die ehemalige Königin der Niederlande, ist regelmäßig zu Gast. Ihr inzwischen verstorbener Mann stammt aus der Region.

Schon klar, das haben sie nicht verstanden. Aber mir ging’s besser. Esther Geißlinger