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Wenn die Volkssolidarität sich gedulden muss

Auf unserem Spaziergang zum nördlichsten Skilift der DDR kommen mein Schulfreund und ich am Roggentiner Dorffest vorbei. Vor wenigen Minuten hatte es noch geschüttet. Die Sicht auf das Gelände ist weitgehend versperrt von Hecken, aber vom Feldweg aus sieht das Fest verlassen aus.

Aus einem Wagen heraus verkauft jemand „Original-DDR-Softeis“. Nichts wie hin. Vom Eisstand aus (Vanille-Schoko für uns beide) sehen wir, dass das Fest keineswegs verlassen ist. Bedröppelt sitzen vielleicht 100 Leute unter den Festzelten. Von der Bühne spricht der Ortsvorsteher: „Dieses Jahr war ein gutes Jahr“, sagt er. Ich lausche gespannt. „Wir haben im Gemeinderat zahlreiche Beschlussvorlagen beschlossen.“ Fantastisch. Hier ist die Welt noch in Ordnung. Zahlreiche Beschlussvorlagen! Der Gemeinderat funktioniert noch trotz Polykrise.

Roggentin

2.700 Ein­wohner*innen.

An den Ort in Mecklenburg-Vorpommern grenzt das Naturschutzgebiet in der Rostocker Schweiz (höchste Erhebung: 66 Meter). Dort zerfallen nach und nach die Überreste des nördlichsten Skilifts der DDR, die selbstverständlich mit Hansa-Rostock-Stickern zugeklebt sind.

Gleich könne das Fest beginnen, kündigt der Ortsvorsteher an, die Volkssolidarität habe Kaffee und Kuchen vorbereitet. Er deutet auf eine Gruppe älterer Damen, die still auf ihren Bierbänken sitzen. „Und sie scharren schon mit den Hufen!“ Das ist zwar übertrieben, aber eine schöne Vorstellung. Jonas Waack