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Wenn die Fans natürlich recht haben

Der Capo steht auf dem Zaun des mit Hunderten grün-weiß gekleideten Fans gefüllten Gästeblocks des ­Werner-Seelenbinder-Sportparks und stimmt einen weiteren Gesang an: „Dass wir Chemie-Fans sind / das weiß ein jedes Kind / wir stinken meilenweit gegen den Wind.“ 15 Minuten vor Spielende ist die Stimmung hier im Gästeblock des Stadions ausgelassen. Die Fans von Chemie Leipzig hoffen auf den ersten Sieg der Saison in der Regionalliga Nordost, ihre Mannschaft führt mit einem Tor.

Bis vor wenigen Tagen wusste ich noch nichts von der Existenz des Stadions hier in Neukölln und ebenso wenig von Chemies Gegner Tasmania Berlin. Mit Fußball habe ich wenig am Hut, umso mehr aber mein Freund aus Leipzig.

Außerhalb des Gästeblocks herrscht Stille, Fangesänge gibt es keine, nur ein Tasmania-Fan schwenkt einsam eine Fahne. Doch im prall gefüllten Gästeblock fällt meine Textunsicherheit natürlich sofort auf. Plötzlich eine Chance für Chemie, Tasmania verhindert durch ein Foul.

Berlin-Neukölln

163.200 Ein­wohner*innen.

Dass man auch mit Negativem weit vorn liegen kann, ist das Schicksal von Tasmania. Der Neuköllner Klub, in die Bundes­liga­saison 1965/66 nur hineingestolpert, gilt mit einer Reihe an Schlechtestmarken als der erfolgloseste Verein in der Geschichte der Liga.

Die Fans sind empört: „Berlin, Berlin, wir scheißen auf Berlin.“ Endlich etwas, auf das ich einstimmen kann. Jonas Wahmkow