piwik no script img

Wenig Fang im Netz

■ Muschelfischer im Wattenmeer beenden Saison vorzeitig

Früher als sonst ist die Saison für die schleswig-holsteinischen Muschelfischer vorbei: Die Ernte sei schon Ende 2001 eingebracht worden, sagte der Vorsitzende der Erzeugergemeinschaft für Muschelzüchter, Peter Ewaldsen, sie sei noch geringer ausgefallen als befürchtet: „Jetzt sind die Fischer nur noch mit der Kulturpflege beschäftigt.“

Denn anders als ihre Krabben fangenden Kollegen verstehen sich die Muschelfischer auch als Bauern, legen sie doch die Kulturen, die sie abernten, zuvor selbst an. Sie fangen kleine Schalentiere der Gattung „Mytilus edulis“ (Miesmuscheln), die sie als Saatgut im nordfriesischen Wattenmeer, vornehmlich rund um die Inseln Föhr, Amrum und Sylt, ausbringen. Die Jungmuscheln verankern sich dort und wachsen in zwei bis drei Jahren zu verzehrfähiger Größe heran.

In den vergangenen Jahren aber hatte die Natur den Verarbeitern nicht viel Muschelbrut beschert, entsprechend mager waren die Kulturen bestückt. Nicht einmal 10.000 Tonnen seien seit Sommer 2001 in den Netzen gelandet, berichtet Ewaldsen. In guten Zeiten holen die acht Kutter, die in Schleswig-Holstein per Lizenz der Landesregierung nach Muscheln fischen dürfen, schon mal 40.000 Tonnen aus dem Wattenmeer. Muscheln seien eben wie Krabben den natürlichen Schwankungen unterworfen, tröstet sich André de Leeuw, Geschäftsführer des Muschelverarbeiters „Royal Frysk“ in Emmelsbüll-Horsbüll (Kreis Nordfriesland). Um den Betrieb aufrecht erhalten zu können, werden derzeit Muscheln aus Dänemark zugekauft.

Ein Trost für die Schleswig-Holsteiner sind die guten Aussichten für die Zukunft: „Ausreichend Saat war da, so dass die Kulturen für die nächsten Jahre gut belegt sind“, erwartet Ewaldsen. Vor allem in Frankreich, Belgien und den Niederlanden gelten die Schalentiere als Delikatesse. In Deutschland ist vor allem das Rheinland ein wichtiger Kunde, berichtet Ewald. Deshalb legen die Muschelfischer, die sonst auch schon mal bis in den April hinein auf Fang gehen, in der Karnevalszeit immer eine Arbeitspause ein: „Dann feiern die da unten und denken nicht ans Muschelessen .“ Heike Wells

Unser Mittel gegen Antifeminismus

Wir machen linken Journalismus aus Überzeugung: kritisch, unabhängig und frei zugänglich für alle. Es gibt keinen Bezahlzwang, keine Paywall. Das geht nur, weil sich viele freiwillig beteiligen und unsere Arbeit unterstützen. Auch im Digitalen muss Journalismus, der für mehr Gleichberechtigung eintritt, finanziert werden. Unsere Leser:innen wissen: Journalismus entsteht nicht aus dem Nichts. Damit wir auch morgen noch unsere Arbeit machen können, brauchen wir Ihre Unterstützung. Schon über 48.000 Menschen machen mit und finanzieren damit die taz im Netz - kostenlos für alle. Setzen Sie ein Zeichen für die taz und für die Zukunft unseres Journalismus. Mit nur 5 Euro sind Sie dabei. Jetzt unterstützen