Welthungerhilfe-Mitarbeiter verschleppt: Deutscher in Somalia entführt

Ein deutscher Entwicklungshelfer ist in Somalia von Bewaffneten entführt worden. Sie zwangen ihn, aus einem Auto auszusteigen und schossen auf den Fahrer.

Noch keine Forderung der Entführer: Sitz der Welthungerhilfe in Bonn Bild: dpa

MOGADISCHU dpa/afp Die Welthungerhilfe hat nach der Entführung eines ihrer Mitarbeiter in Somalia noch keine Forderung der Kidnapper erhalten. Das sagte die Sprecherin der Hilfsorganisation, Simone Pott. Die Organisation bemühe sich in Zusammenarbeit mit lokalen Behörden um die Freilassung des Entwicklungshelfers. Wie die Welthungerhilfe am Dienstag in Bonn weiter mitteilte, ist der Projektleiter am Morgen im Nordwesten von Somalia, in der Region Somaliland, verschleppt worden.

Der Mann war demnach auf dem Weg von Erigavo an die Küste, um an einem Treffen mit einheimischen Fischern teilzunehmen. Das Auto, in dem auch eine weitere deutsche Mitarbeiterin, ein lokaler Mitarbeiter sowie der Fahrer saßen, wurde etwa 60 Kilometer nördlich von Erigavo angehalten. Eine Gruppe von bewaffneten Männern zwang demnach den Projektleiter auszusteigen. Bei einem Schusswechsel wurde der Fahrer leicht verletzt. Die Entführer konnten mit dem Projektleiter fliehen. Die lokalen Behörden bemühten sich intensiv um die Freilassung des Entführten. Eine lokale Polizeieinheit habe die Verfolgung der Entführer aufgenommen.

Der Mann, der vor seinem Einsatz in Somalia in Afghanistan tätig war, arbeitet seit fast zwei Jahren für die Welthungerhilfe in der Region am Horn von Afrika. Er betreut dort ein großes Projekt zur Ernährungssicherung. Die Welthungerhilfe ist nach eigenen Angaben eine der wenigen internationalen Organisationen, die in Somaliland mit entsandten Mitarbeitern tätig ist. In dem Gebiet, das nicht als eigener Staat anerkannt ist, gilt die Ernährungs- und Gesundheitssituation als eine der schlechtesten der Welt. Für die Organisation sind in Somalia derzeit vier Deutsche und ein internationaler Mitarbeiter tätig.

Ende Dezember waren im Nordosten Somalias zwei ausländische Mitarbeiterinnen der Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen (MSF) entführt worden. Sie wurden nach einer Woche wieder freigelassen. Im Dezember waren auch ein französischer Journalist sowie zwei libysche Diplomaten vorübergehend entführt worden. Nachdem im Januar drei MSF-Mitarbeiter bei einer Bombenexplosion im Süden des Landes gestorben waren, zog Ärzte ohne Grenzen seine ausländischen Mitarbeiter aus dem Land ab.

In Somalia herrscht seit 1991 Bürgerkrieg. Eine US-Intervention und zahlreiche Vermittlungsversuche zur Befriedung des Landes verliefen erfolglos. Islamistische Milizen, die im Verlauf des Jahres 2006 in weiten Teilen des Landes die Macht übernommen hatten, wurden bis Anfang 2007 von Truppen des benachbarten Äthiopien wieder vertrieben. Die Hauptstadt Mogadischu ist seither täglich Schauplatz von Anschlägen und Kämpfen.

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