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Weißkittel im Bildwahn

Papst Leo XIV. warnt vor der Spirale der Gewalt

Spiralenfoto: reuters

Bislang dachten wir, die beliebte Phrase von der „Spirale der Gewalt“ sei typisches Dummdeutsch. Das Problem der Metapher ist, dass sie im tausendfachen Gebrauch zur sinnentleerten Floskel und zu einem schiefen Bild geworden ist, ein aufgeschäumtes Nichts. Denn die ursprüngliche Bedeutung einer Spirale besagt, dass die Gewalt von gleichwertig agierenden und reagierenden Kräften ausgehen und sich ruhig weiter steigern müsste. So funktioniert beispielsweise Gewalt im Krieg aber nicht. Das hätte auch der Papst wissen können. Der einige Sprachen beherrschende amerikanische Weißkittel hat der „Spirale der Gewalt“ jetzt jedoch die höheren Weihen des Vatikans gegeben. In seiner Sonntagspredigt zum aktuellen Iran-Krieg appellierte Leo XIV. in Rom wörtlich auf Italienisch an die Kriegsparteien, „fermare la spirale di violenza prima che diventi un abisso irreparabile“, also „die Spirale der Gewalt zu stoppen, bevor sie zu einem irreparablen Abgrund wird“. Eine Spirale, die zu einem Abgrund wird! Das ist wahrlich eine ganz neue Schraube der an biblischen Bildern geschulten Metaphorik von einem, der offenbar nicht mehr alle Spiralen locker hat.

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