: Wahlen auf Madagaskar
■ Acht Präsidentschaftskandidaten/ Warnung vor Betrug
Antananarivo (AFP) – Auf Madagaskar sind heute die Wahlberechtigten unter den fast zwölf Millionen Inselbewohnern aufgerufen, einen neuen Präsidenten zu wählen. Bei der als historisch geltenden Wahl kandidieren sieben Oppositionspolitiker gegen den seit 1975 regierenden sozialistischen Präsidenten Didier Ratsiraka. Der Staatschef war nach Massenprotesten im vergangenen Jahr zu einer schrittweisen Beteiligung der Opposition an der Regierung gezwungen worden. Als aussichtsreichster Gegenkandidat Ratsirakas gilt der Oppositionsführer Albert Zafy. Der 65jährige Chirurg spielte eine Schlüsselrolle bei den Protesten letztes Jahr.
Auf dem Höhepunkt der Proteste hatten die Truppen des Präsidenten im August 1991 bei einer Demonstration mit 500.000 Teilnehmern in die Menge geschossen und 200 Menschen getötet. Zafy setzte sich im Zuge dieser Krise für die Abhaltung von Wahlen ein. Er ist Leiter des Hohen Rates, eines Gremiums, das den Wandel zur Demokratie überwachen soll. Chancen bei den Präsidentschaftswahlen werden auch dem Wirtschafts- und Sozialwissenschaftler Manandafy Rakotonirina eingeräumt. Der 54jährige Rakotonirina hatte sich bereits seit 1972 eine eigene gefürchtete Armee, die MFM, aufgebaut, die aus der früheren Bewegung für die Proletarische Macht hervorging. Politische Beobachter gehen davon aus, daß Präsident Ratsiraka, Zafy und Rakotonirina alle drei erfolgreich aus dem ersten Wahldurchgang hervorgehen werden. Nach Einschätzung eines Diplomaten ist jedoch nicht voraussagbar, welchen Stimmenanteil die drei aussichtsreichsten Kandidaten jeweils auf sich vereinigen werden.
Obgleich die Wahlen von 69 Beobachtern der Internationalen Juristenkommission überwacht werden, wurden von seiten der Opposition Befürchtungen über möglichen Wahlbetrug laut. Während einer im Radio übertragenen Diskussion der sieben Oppositionskandidaten wurde vor allem die Sorge darüber geäußert, daß es in den abgelegenen Landstrichen Wahlbeeinflussungen geben könnte. Denn auf dem Land habe der Präsident meist die Unterstützung örtlicher Machthaber. Die Hauptstadt Antananaviro mit ihren 1,2 Millionen Einwohnern gilt hingegen als Hochburg Zafys. Da viele Wähler tagelange Fußmärsche zu ihrem Wahllokal zurücklegen müssen, wird mit der Bekanntgabe des Wahlergebnisses nicht vor drei Wochen nach dem Wahltermin gerechnet.
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