Vor Gericht: Missbrauch im Freizeitpark

Sieben Mitarbeiter der Parkeisenbahn im Berliner FEZ sollen sich an Jungen vergriffen haben. Heute steht einer vor Gericht. Ein runder Tisch will den Skandal zudem aufarbeiten.

Die dunkle Seite der Parkeisenbahn im FEZ. Bild: dpa

Fahrkarten verkaufen und kontrollieren, Züge abfertigen, Weichen und Signale stellen – viele Kinder begeistern sich für eine Tätigkeit bei der Bahn. Wenn sie bei einer Parkeisenbahn mitmachen, können sie in diesen Beruf regelrecht hineinwachsen. Auch in der Wuhlheide werden Kinder ab elf Jahren beschäftigt. Dafür gibt es eigens ein Team von Festangestellten und Ehrenamtlichen, die die Kinder betreuen. Seit vergangenen Herbst aber wird die 7,5 Kilometer lange Schmalspurbahn nicht mehr nur mit Freizeitvergnügen verbunden. Damals wurde bekannt, dass sich die Berliner Strafgerichte mit zahlreichen Fällen sexuellen Missbrauchs durch Mitarbeiter der Parkeisenbahn beschäftigt, die ihre Opfer in der Wuhlheide kennenlernten.

Heute nun steht Thomas W., der 45-jährige ehemalige Werkstattleiter, vor dem Amtsgericht Tiergarten. Er soll sich von Mai 2008 bis Februar 2010 sechsmal an einem zunächst 15-Jährigen vergriffen haben. In der Anklage gegen Thomas W. ist nun die Rede von „angrapschen“, „in die Hose greifen“ und „onanieren“, so Gerichtssprecher Tobias Kaehne. Die Taten sollen sich in der Wohnung des Angeklagten, auf dem Gelände der Parkeisenbahn und auf Ausflügen ereignet haben.

Die Vorwürfe, um die es bei Mitarbeitern der Parkeisenbahn geht, reichen bis in die neunziger Jahre zurück. Insgesamt sieben Männer mussten und müssen sich vor Gericht verantworten. Kaehne geht von sieben bis zehn Opfern im jugendlichen Alter aus – einer von ihnen soll von allen Beschuldigten missbraucht worden sein, ein weiterer von vielen. „Das spricht für Methode“, sagt Kaehne – die Jugendlichen könnten von einem Pädophilen zum nächsten weitergereicht worden sein.

Bereits im Juni hatte der ehemalige Betriebsleiter der Parkeisenbahn Gunnar L. (37) einen sogenannten Strafbefehl – also ein Urteil ohne Verhandlung – über neun Monate Haft zur Bewährung akzeptiert. Innerhalb eines knappen Jahres zwischen 2008 und 2009 hat er sich dreimal an Jugendlichen vergriffen, so etwa bei einem gemeinsamen Ausflug nach Mecklenburg-Vorpommern.

Die Öffentlichkeit erfuhr vom Skandal um die Parkeisenbahn jedoch erst vergangenen Oktober, als vor einem Jugendschöffengerichts gegen den heute sechsundzwanzigjährigen ehrenamtlichen Mitarbeiter der Parkeisenbahn Daniel P. wegen sexuellen Missbrauchs von Schutzbefohlenen verhandelt wurde. P. war zu Beginn seiner 47 Taten erst 15 Jahre alt. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig, die Staatsanwaltschaft legte Berufung ein – wohl weil es mit zwei Jahren Haft auf Bewährung sehr milde ausgefallen war. Die Richter hatten das Geständnis und eine bereits begonnene Therapie honoriert sowie berücksichtigt, dass P. auch selbst missbraucht worden war – ebenfalls von Mitarbeitern der Parkeisenbahn.

Noch offen ist bislang, wann gegen vier weitere Eisenbahner verhandelt wird, die jeweils zu zweit auf der Anklagebank sitzen werden: zwei vor dem Amtsgericht, zwei weitere sogar vor dem Landgericht. Die höhere Instanz wurde angerufen, weil der 31-jährige dortige Angeklagte Tobias N. bereits zweimal wegen Besitzes und Verbreitens von Kinderpornografie vorbestraft ist, so Sprecher Tobias Kaehne. Beim ersten Mal wurde er zu einer Geld-, beim zweiten Mal zu einer Bewährungsstrafe von zehn Monaten verurteilt. Die Vorstrafe würde eine neue Strafe erhöhen, so Kaehne. Obendrein wiege der Gegenstand der Anklage gegen Tobias N. schwerer als bei den anderen Eisenbahnern: Er soll seine insgesamt fünf Opfer zu Anal- und Oralverkehr gezwungen haben, wofür ihm bis zu fünf Jahren Haft drohen.

Sich dem Skandal stellen

Die Mitarbeiter der Parkeisenbahn müssen sich nun dem Skandal stellen. Um für Transparenz zu sorgen, richtete die Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Wissenschaft, die die Trägergesellschaft mit rund 16.000 Euro im Jahr fördert, einen „Runden Tisch Parkeisenbahn“ ein. An diesem sitzen neben Vertretern der Senatsverwaltung auch Vertreter des Bezirks Treptow-Köpenick, des Freizeit- und Erholungszentrums FEZ und der Parkeisenbahn selbst. Alle Eisenbahner haben mittlerweile Präventionskurse besucht, die Aufarbeitung soll nun der ehemalige Bezirksbürgermeister Klaus Ulbricht (SPD) begleiten. Schließlich sollen auf dem Gelände weiterhin Kinderstimmen zu hören sein, die per Lautsprecher zur „Vorsicht an der Bahnsteigkante“ mahnen.

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