Verdeckte Werbung im Internet: PR-Rat will Bauernverband bestrafen

Der Deutsche Rat für Public Relations kündigt eine Mahnung an den Bauernverband an. Dieser hatte zu Leser-Kommentaren unter einem Pseudonym auf Internetseiten wie taz.de aufgerufen.

"Nicht glücklich" formulierter Aufruf: Der Bauernverband räumt Fehler ein. Bild: dpa

Das Selbstkontrollgremium der PR-Branche will den Bauernverband nach einem Aufruf zu verdeckter Öffentlichkeitsarbeit bestrafen. Der Deutsche Rat für Public Relations werde bei seiner nächsten Sitzung Ende November eine Mahnung beschließen, sagte Alexander Güttler, Fallbearbeiter des zuständigen Beschwerdeausschusses, am Dienstag der taz. "Der Verband wird ermahnt wegen einer missverständlichen Formulierung, die in die Nähe eines Aufrufs zu verdeckter Tätigkeit geht."

Die konservative Bauernorganisation hatte Mitarbeitern und Mitgliedern im Frühjahr in einer E-Mail geraten, sich unter Pseudonym in Internetforen im Sinne des Verbands zu äußern (taz vom 16. 6.). Ausdrücklich nannte er in der Mail die Foren etwa von taz.de und Spiegel Online. Gerade auf solchen Seiten hat der Agroindustrie-freundliche Bauernverband einen schweren Stand gegenüber der Konkurrenz von der Milchbauernorganisation BDM. Der PR-Rat ermittelte wegen der Aktion, weil Undercover-Öffentlichkeitsarbeit gegen Richtlinien der Branchen verstößt. Schließlich täuscht sie ihre Empfänger über den Absender.

Nun konnte sich der Rat aber nur zu einer Mahnung durchringen. Im Unterschied zu einer Rüge werde eine Mahnungen nur auf der Internetseite des Rats und nicht durch E-Mails an die Medien veröffentlicht, erklärte Beschwerdebearbeiter Güttler. "Ich sehe keinen Anlass für eine Rüge wie im Fall der Bahn." Die Deutsche Bahn AG hatte zum Beispiel mit anonymen Blogeinträgen für die Privatisierung des Staatskonzerns werben lassen und dafür Aufträge für mindestens 1,65 Millionen Euro erteilt. "Die Flughöhe beim Bauernverband ist ganz anders", sagte Güttler. Der Fall sei lange nicht so schwerwiegend.

Außerdem bescheinigte Güttler den Agrarlobbyisten eine "hohe Einsicht". Sie hätten sofort nach Bekanntwerden der Vorwürfe ihre Unterstützer aufgerufen, sich nur unter ihren richtigen Namen im Internet zu äußern. Der Verband habe sich sogar auf einer Diskussionsveranstaltung mit den Grenzen von PR befasst. "So transparent hat das bisher keiner gemacht", lobte Güttler. Zu diesen Initiativen rang sich der Bauernverband allerdings erst durch, nachdem die Internetaktion in allen wichtigen Medien auf Kritik gestoßen war und die taz über das Beschwerdeverfahren beim PR-Rat berichtet hatte. Zuvor hatte der Verband den Aufruf als legitim verteidigt.

Die Organisation LobbyControl zeigte sich trotz der Mahnung nicht zufrieden. "Meistens haben weder die Mahnung noch die Rüge des PR-Rats echte Konsequenzen. Sie sind Papiertiger", sagte Referentin Nina Katzemich. Die Sanktionen folgten nur auf Enthüllungen, die bereits in den Medien seien. Wichtiger wären Katzemich zufolge verpflichtende Transparenzregeln für Lobbyisten.

Bauernverbands-Sprecher Michael Lohse erklärte, er sei sich nicht sicher, ob eine Mahnung nicht zu streng sei. Der Verband habe keine verdeckte PR organisiert. Der Aufruf zu der Internetaktion sei "aber sicherlich nicht glücklich" formuliert gewesen. Dieses Problem sei behoben: "Wir haben das abgestellt."

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