Umweltverbände stänkern: Artenschutz ohne verbindliche Zusagen

Umweltgruppen kritisieren den Verlauf der Artenschutzkonferenz. Sie fordern konkrete Zusagen von Kanzlerin Merkel. Greenpeace sieht das Treffen "kurz vor dem Scheitern".

Scheitert die internationale Gemeinschaft daran, seltene Tierarten der Welt zu retten? Bild: ap

BERLIN taz Kurz vor der Schlussphase der UN-Konferenz über biologische Vielfalt ziehen die meisten Umweltschutzorganisationen eine negative Zwischenbilanz. Martin Kaiser von Greenpeace etwa sieht die "Konferenz kurz vor dem Scheitern".

"Die Blockadehaltung ist auf beiden Seiten", sagte Kaiser. Industrie- und Schwellenländer seien wenig bemüht, rechtsverbindliche Beschlüsse zu treffen. Es sei das übliche Spiel: "Die Staaten des Nordens wollen ihre eigene Industrie nicht in die Schranken weisen, Länder des Südens, zum Beispiel Brasilien oder Malaysia, wollen den lukrativen Handel mit Biotreibstoffen oder illegal geschlagenem Holz nicht aufgeben", sagte Kaiser. Von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) erwartet er eine angemessene Finanzzusage. "Deutschland sollte mit 2 Milliarden Euro vorangehen", sagte Kaiser. Weltweit seien rund 30 Milliarden Euro für den Artenschutz nötig.

Der Unmut von Nabu-Präsident Olaf Tschimpke richtet sich vor allem gegen die Industriestaaten. "Es ist skandalös, dass hier ausgerechnet reiche Staaten wie Großbritannien, Italien und Irland jeglichen Fortschritt blockieren." Auch Ralph Kampwirt, Sprecher der Umweltorganisation WWF, ist mit den bisherigen Verhandlungen "nicht zufrieden". In wesentlichen Punkten sei noch keine Einigung absehbar. Vor allem die Ausweisung eines weltweiten Netzes an Meeresschutzgebieten sei "noch nicht vorangekommen". Laut einer WWF-Studie stehen bislang lediglich 0,5 Prozent der Ozeane unter Schutz. Nötig seien 20 bis 30 Prozent.

Für die letzten Tage hat Kampwirt aber Hoffnung: "Der UN-Gipfel ist ein guter Rahmen, um solche Beschlüsse zu fassen." Positives meldet hingegen Pro Wildlife. Man habe mit Liberia, Kamerun und Ghana wichtige Verbündete gewonnen, um die sogenannte Buschfleischjagd - Affen und andere bedrohte Wildtiere - einzudämmen, sagte Sprecherin Sandra Altherr.

Auf der seit Anfang vergangener Woche tagenden Konferenz in Bonn beraten knapp 190 Staaten, wie das weltweite Artensterben aufgehalten werden kann. Ziel ist es unter anderem, bis 2010 ein globales Schutzgebietsnetz an Land und bis 2012 in den Meeren aufzubauen. Zu den entscheidenden Schlussverhandlungen, die bis Freitag andauern, treffen am heutigen Mittwoch zahlreiche Minister und Regierungsvertreter ein. Die deutsche Seite vertreten Bundeskanzlerin Merkel und Bundesumweltminister Sigmar Gabriel (SPD).

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