Umwelt 2: "Es gibt viele ungenutzte Dächer"

Solarthermie ist die erneuerbare Energie der Großstadt, sagt Susanne Berger von der Berliner Energieagentur. Der Anreiz für den Vermieter: Nach zehn Jahren ist die Anlage finanziert. Und die Wohnung wird für Mieter attraktiver.

taz: Frau Berger, welche Möglichkeiten bieten sich für Hausbesitzer, erneuerbare Energien einzusetzen?

Susanne Berger: Es gibt drei führende Bereiche: die Solarthermie - also die Nutzung der Sonnenwärme für Heizung und Warmwasserbereitung -, die Geothermie - die Ausnutzung der Erdwärme mit Hilfe von Wärmepumpen - sowie die verschiedenen Möglichkeiten, Biomasse einzusetzen. Dabei werden etwa in einer Pelletheizung oder einem Scheitholzkessel Holz oder andere biologische Grundstoffe verheizt.

Für was entscheidet man sich in Berlin am besten?

In einer Großstadt wie Berlin ist Solarthermie am besten geeignet. Wir haben hier kaum die Möglichkeiten, in die Tiefe zu gehen, da gibt es auch wasserrechtliche Bedenken. Außerdem fehlt oft der Platz, zum Beispiel große Mengen Holzpellets einzulagern. Dafür gibt es viele ungenutzte Dächer.

Was muss ich konkret tun, um eine Solaranlage auf mein Dach zu bekommen?

Die Empfehlung ist eigentlich immer, einen Energieberater einzuschalten. Der guckt sich das Gebäude an und sagt, ob es zum Beispiel für Solarthermie geeignet ist. Dann sollte man entweder die Heizungsfirma des Vertrauens ansprechen, ob sie mit dem Thema Solar schon Kontakt hatte, oder den Energieberater weiter beschäftigen und Angebote für den Bau der Solaranlage einholen. Man kann dann auch die Förderung schon beantragen.

Welche Kosten kommen auf einen zu?

Bei thermischen Solaranlagen muss man ungefähr mit Kosten in Höhe von 800 Euro je installierten Quadratmeter Kollektorfläche rechnen. In einem Einfamilienhaus sind das bei einer gängigen Anlagengröße etwa 4.000 Euro; in einem Mehrfamilienhaus können es auch über 10.000 Euro sein.

Welche Arten der staatlichen Förderungen gibt es?

Die KfW (Kreditanstalt für Wiederaufbau) vergibt günstige Kredite und Tilgungszuschüsse. Ein reines Förderprogramm ist das Marktanreizprogramm des Bafa (Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle), das alle genannten Energieträger bezuschusst. Das Amt fördert auch mit einem speziellen Programm die Vor-Ort-Beratung.

Wie lange dauert es, bis sich die Investition rechnet?

Wenn man die Förderprogramme nutzt, kann man sehr günstige Amortisationszeiten erzielen, die um die 10 Jahre liegen. Bei Solarthermie-Anlagen, die meist eine Garantie über 25 Jahre haben - aber auch noch länger halten -, haben Sie somit mindestens 15 Jahre kostenlose Wärme. Ähnlich ist es auch bei den anderen Energieträgern.

Welche Leistung erbringt eine thermische Solaranlage?

Das Problem ist, dass die Sonne im Winter so wenig scheint. Im Sommer können Sie zwar zu 100 Prozent Ihr Wasser erwärmen, und Sie haben Effekte in der Heizungsunterstützung. Aber im Jahresverlauf deckt sie nur 10 bis 15 Prozent der Gesamtenergie. Sie brauchen also auf jeden Fall noch einen konventionellen Heizkessel. Dennoch refinanziert sich das Ganze auch in diesen Anteilen.

Welche Möglichkeiten haben Mieter, sich für erneuerbare Energien zu engagieren?

Da bei den erneuerbaren Energien der Gebäudeeigentümer entscheiden muss, können die Mieter nur versuchen, Einfluss auszuüben. Wir haben festgestellt, dass es ein sehr positives Vermietungsargument ist, wenn man zum Beispiel eine Solaranlage auf dem Dach hat. Insofern werden die Vermieter da auch aufgeschlossener. Was die einzelne Wohnung angeht, ist das A und O der effiziente Energieeinsatz, also die im Grunde einfachen Regeln zum richtigen Heizen und Lüften zu beachten. Zusätzlich kann man grünen Strom kaufen. Eine eigene Erzeugungsanlage auf dem Balkon zu installieren macht jedoch technisch keinen Sinn.

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