piwik no script img

„Umfragewerte zwischen 10 und 11 Prozent machen schnell übermütig“

Pascal Beucker

Der Abtritt von Jan van Aken vom Parteivorsitz aus gesundheitlichen Gründen ist ein harter Schlag für die Linke. Denn der 64-jährige Hanseat, der sein politisches Handwerk einst bei Greenpeace gelernt hat, war ein Glücksfall für die Partei. Zum einen war er der strategische Kopf hinter der Wiederauferstehung der schon totgesagten Linken. Neben Heidi Reichinnek und seiner Co-Chefin Ines Schwerdtner verkörperte er mit seiner Eloquenz und seinem Witz zum anderen auch in der Öffentlichkeit das Versprechen einer Erneuerung der Partei weg vom Muff und Zank früherer Zeiten.

Pascal Beucker ist Inlandsredakteur und im Parlaments­büro der taz zuständig für die Linkspartei.

Dass mit Unterstützung dieses Trios der 46-jährige Bundestagsabgeordnete Luigi Pantisano nur einen Tag nach van Akens überraschender Rückzugsankündigung seinen Hut für die Nachfolge in den Ring geworfen hat, zeugt davon, dass Partei- und Fraktionsspitze darum bemüht sind, keine destruktive Personaldebatte aufkommen zu lassen. Ob das gelingt, ist angesichts der mittlerweile wieder gewachsenen notorischen innerparteilichen Streitlust jedoch ungewiss. Umfragewerte zwischen 10 und 11 Prozent machen schnell übermütig. Dass die Partei in trauter Einigkeit ihrem Parteitag Mitte Juni in Potsdam entgegengeht, wäre daher wirklich etwas Neues.