US-Geheimdienst lauscht bei Telefonsex: Abhörskandal in den USA

Der amerikanische Nachrichtendienst NSA hört amerikanische Bürger im Ausland ab - und zwar nicht nur Dienstgespräche, sondern auch Telefonsex.

Privatgespräche im Nahen Osten waren vor der NSA offenbar nicht sicher. Bild: dpa

Die USA haben mal wieder einen neuen Datenschutzskandal: Wie der Sender "ABC" berichtete, wurden die Privatgespräche von hunderten US-Amerikanern aus Nahost und der Bagdader "Green Zone" abgehört. Gespräche über Satellitentelefone wurden ebenso mitgehört wie Telefonsex-Anrufe von US-Militärs.

Bei den abgehörten US-Bürgern handle es sich um "wirklich alltägliche, durchschnittliche und normale Amerikaner, die im Nahen Osten leben", sagte Adrienne Kinne, eine ehemalige US-Army-Mitarbeiterin, die bis 2003 der NSA zugeteilt war, dem Sender "ABC". Kinne will hunderte dieser Anrufe mitgehört haben. Inhalt der Gespräche, so Kinne, seien "private, persönliche Dinge gewesen, die nicht in irgendeiner Form etwas mit Terrorismus zu tun hatten."

Ein weiterer ehemaliger Mitarbeiter des NSA-Abhörzentrums in Fort Gordon, David Murfee Faulk, berichtete "ABC", dass vornehmlich private Gespräche von US-Militärs aus der abgeschirmten irakischen "Green Zone" abgehört wurden. Ein Kollege habe einen Vorgesetzten darauf angesprochen und beanstandet, dass es sich bei den aufgezeichneten Anrufen um Privatgespräche handle. Worauf der Vorgesetzte geantwortet habe: "Mein Befehl lautet: Alles transkribieren.""

Murfee Faulk sagte darüber hinaus, dass äußerst private Anrufe wie Telefonsex oder andere intime Gespräche in der Behörde herumgereicht wurden. Auch Gespräche von Journalisten und Mitarbeitern von Hilfsorganisationen sollen abgehört worden sein.

Die Berichte der beiden Whistleblower bringen US-Präsident Bush und die NSA in eine peinliche Lage - denn beide hatten in der Vergangenheit stets beteuert, dass US-Bürger im Ausland nicht abgehört würden, wenn kein Verdacht bestehe, dass die Personen Verbindungen zu terroristischen Organisationen haben.

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