: UNO-Eiertanz im Süden Sudans
■ Hilfsflüge von Lebensmitteln in die belagerte Stadt Juba nach wenigen Tagen wieder ausgesetzt
Nairobi (AP/taz) — Das Welternährungsprogramm der Vereinten Nationen (WFP) hat seine erst letzten Donnerstag wieder aufgenommene Luftbrücke für den Transport von Lebensmitteln in die südsudanesische Stadt Juba wieder eingestellt. Wie ein Sprecher des WFP erklärte, wurde ein Transportflugzeug am Sonntag auf dem Flughafen von Juba beschossen. Es habe jedoch unbeschädigt nach Entebbe in Uganda zurückkehren können. Alle weiteren Hilfsflüge seien daraufhin gestoppt worden.
Ein Vertreter des Lutherischen Weltbundes in der kenianischen Hauptstadt Nairobi erklärte, seine Organisation habe am Montag noch zwei Maschinen mit Hilfsgütern nach Juba entsandt. Der dritte geplante Flug sei dann aber gestrichen worden. „Die Lage ist zu gefährlich geworden“, hieß es.
Juba wird von der sudanesischen Armee gehalten, jedoch von der südsudanesischen Guerilla „Sudanesische Volksbefreiungsarmee“ (SPLA) seit Jahren belagert. 300.000 Menschen hängen in der Stadt von auswärtigen Hilfsgüterlieferungen aus der Luft ab, da Juba auf dem Landweg nicht erreichbar ist. Die UNO hatte ihre Hilfsflüge nach Sudan am 18. Juli schon einmal eingestellt, als die SPLA mit der Beschießung der Stadt begann, sie dann aber trotz einer Drohung der SPLA am 20. August wieder aufgenommen und die Lieferung von insgesamt 1.075 Tonnen Nahrungsmitteln, Medikamenten und Zelten angekündigt. Anfang der Woche drohte ein SPLA-Sprecher, Elijah Malok, erneut, alle Flugzeuge abzuschießen, die Juba anfliegen würden.
Die SPLA-Rebellen stehen der UNO mißtrauisch gegenüber, da die Regierung Sudans einmal ein UNO- Flugzeug zum Transport von Truppen nach Juba benutzt hat. Außerdem wirft die SPLA der UNO vor, ihre Hilfslieferungen nach Sudan lediglich mit der Regierung abzusprechen und keine Güter an Hungernde in SPLA-kontrollierte Gebiete Sudans zu liefern. Ein ehemaliger Berater des WFP schrieb kürzlich in einem Leserbrief an die britische Zeitung The Independent von einem „Unwillen der UNO“, die Bedürfnisse der Zivilisten in SPLA-gehaltenen Gebieten „ernst zu nehmen“. Die Hilfsprogramme für diese Bevölkerungen seien „völlig eingestellt worden“, und das WFP habe das Gebot der Unparteilichkeit bei humanitärer Hilfe mißachtet.
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