: Tschernobyl-Schließung
■ Ukrainische Regierung mit neuem Zeitplan / Weiter Streit über Kosten
Kiew (AFP) – Die ukrainische Regierung hat einen neuen Zeitplan für die Schließung des Atomkraftwerks Tschernobyl vorgestellt. Nach dem am Dienstag von Umweltminister Juri Kostenko westlichen Experten vorgelegten Plan soll der erste Reaktor 1997 und der dritte 1999 abgeschaltet werden. Eine Delegation der sieben führenden Industriestaaten (G7) ist derzeit in Kiew, um über Hilfen bei der Schließung zu verhandeln.
Der zweite Reaktor, der seit einem Brand im Jahr 1991 nicht mehr arbeitet, soll 1996 ebenfalls endgültig stillgelegt werden. Ursprünglich hatten die Betreiber vorgesehen, ihn nach Wiederinstandsetzungsarbeiten 1996 erneut in Betrieb zu nehmen.
Der 1986 explodierte Reaktorblock 4 hatte 1986 die größte Katastrophe in der Geschichte der zivilen Atomenergienutzung ausgelöst. Die Erstellung eines Zeitplans zur Schließung der Atomanlage war von der Europäischen Union für die Freigabe eines Kredits in Höhe von 85 Millionen Ecu (etwa 157 Millionen Mark) zur Vorbedingung gemacht worden.
Über die für die Schließung von Tschernobyl erforderlichen Kosten bestand nach Angaben aus der G-7-Delegation weiterhin keine Einigkeit. Die ukrainische Delegation habe erneut die Zahl von 4 Milliarden Dollar (knapp 5,8 Milliarden Mark) genannt. Diese Summe sei nach Auffassung der G7 zu ungenau.
Der bisher von westlicher Seite vorgelegte Kostenvoranschlag liegt wesentlich niedriger. Die G7 hatten bei ihrer Tagung in Neapel im vergangenen Jahr Spenden in Höhe von 200 Millionen Dollar angekündigt. Die Europäische Union hatte ihrerseits 100 Millionen Ecu als Spende und 400 Millionen Ecu als Kredit in Aussicht gestellt. Der G-7-Delegation gehörten auch Vertreter der Weltbank und der Europäischen Bank für Wiederaufbau und Entwicklung (EBRD) an.
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