: Tschechien ist ein Gedicht
Es erzählt von jeder Menge Softeis und richtig guten Pommes, von Menschen, die sich ihr Leben schön machen, und Dörfern, in denen es unserer Autorin schwer ums Herz wird. Eine poetische Reise durch unser Nachbarland
VonDu Pham
Slowenien ist auch schön
kommentieren zwei Bekanntinnen unabhängig voneinander
Tschechien bietet halt viel, braune Saucen zum Beispiel
Der Kommentar wird mit einem 🤭bestärkt
Die ersten Dörfer hinter dem bayrischen Wald entvölkert
Am Spielplatz haben sich die Spielzeugfahrzeuge versammelt
In die Jahre geratene Wohnblöcke
Fertighäuser und davor Autos in normaler Größe
24.000 künstlich angelegte Teiche als fester Bestandteil jeden Dorflebens
Die Städte in historischer Altstadtstruktur
Zentrale Marktplätze
Unzählige Sitzgelegenheiten,
Großzügige Brunnenwahrhaftigkeiten
Burgen, Schlösser, Kirchen
Die Eisdielen sind stark bevölkert
Es gibt Softeis in drei verschiedenen Varianten
Eine Mutter hat auf dem Pizzarack
ihres absolut ordinär aussehenden Fahrrads eine Dinotasche geklemmt
Eine Mutter übt in Schlafkleidung mit ihrer Tochter das Radfahren
Ein Großvater transportiert seine Enkelin in einer Schubkarre
Die Campingplätze sind parzellenfrei
Weiße Monster existieren nicht
Familien reisen mit dem Kleinwagen an, schlafen in Zelten
Nutzen statt Heringe Besteck
Nachts läuft lauter Foltertechno auf den Toiletten
Gelegentlich gibt es nur eine Dusche
Die Küchen sind voll ausgestattet
Seife und Toilettenpapier vorhanden
Immer gibt es Bier
Häufig wird überbelegt
Manchmal ist es sehr laut, manchmal ist es schmutzig
Rülpsende Männer, kreischende Kinder, lachende Frauen
So hört sich das Leben an
Die Landschaft
gleichfarbig gleichbleibend
wie das Essen auf den Tellern
Die Gesichter nüchtern, gleichgültig
Westlicher Wohlstand wartet
Das kanadische Tschechien,
die böhmische Schweiz,
die weißen Karpaten
abwechslungsreich anschaulich
Die Pommes auf den Punkt richtig
Mitteleuropäisches Mittelmaß machbar
Der Papagei tönt im Käfig
Der Imbiss des Campingplatzes ist vietnamesisch
Neben Gyros gibt es Schnitzel und Bún Bò
Die Familie betreibt ihr Geschäft schützend hinter Gittern
Auch in den Potraviny-Minimärkten sitzen Vietnames*innen
an der Kasse und telefonieren über Facetime
Meldet euch, wenn ihr unterwegs Hilfe braucht
Es ist so schön, vietnamesisch zu sprechen
Tschechisch ist schwer
Die notwendigsten Floskeln stehen als Spickzettel auf dem Handrücken
Es ist schön, vietnamesisch zu sprechen
Sie sitze in der Magengrube, die Schwere
Der Lieblingsjunge kann es nicht in Worte fassen
Die Empfänglichkeit wenn wir durch die Dörfer fahren,
die völlig vernichteten, isolierten und vergessenen,
in der die Nazis ihre Gräueltaten verübten, und
die im Kontrast zu all den staunenswerten Städten
unbesucht unbekannt bleiben
Die Gedanken reflektieren im Sonnenlicht
Die Apathie ist nicht Lethargie
Es ist Bescheidenheit
In Ostrava sind Hammer und Sichel in Stein gemeißelt
Die Nachmittagssonne hat den Marktplatz leise geföhnt
Ghettoisierung von Roma und Sinti
Teddybären in Vietcong-Kleidung im Asiamarkt
Die tschechische, deutsche, vietnamesische Vergangenheit ist gegenwärtig
Sie hat das Kreuzworträtselheft an einem Klemmbrett befestigt
Er fotografiert seinen Hot Dog stolz, bevor er hineinbeißt
Stühle Sonnenschirme Liegen stehen kostenlos zur Verfügung
Die Renter*innen genießen ihren Mittag
Das Freibad besteht aus einem Becken
Die Duschen unbenutzt
Die Dorfjugendlichen kassieren und backen Fertigpizza auf
In einem Innenhof in einer kleinen Stadt
Eine Familie freut sich aneinander
Der Innenraum wird neu eingerichtet
Sie machen es sich schön
Das letzte Abendmahl ist gewohnt beige
Es könnte braune Sauce vertragen
Tschechien ist schön
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