Trotz Rekordgewinn: Jobabbau bei Henkel

Der Waschmittelkonzern Henkel streicht 3000 Stellen - dabei hat er gerade einen Rekordgewinn von knapp einer Milliarde Euro eingefahren.

Tausende Mitarbeiter müssen gehen, damit der Klebstoff noch mehr Gewinn abwirft. Bild: dpa

DÜSSELDORF taz Henkel demonstriert, wie kapitalistische Logik funktioniert: Auf seiner Bilanzpressekonferenz präsentierte der Düsseldorfer Waschmittel- und Klebstoffhersteller einen Gewinnanstieg für das vergangene Geschäftsjahr - und kündigte zugleich den Abbau von weltweit 3.000 Stellen an.

Die geplante Arbeitsplatzvernichtung ist Teil eines "Programms zur Effizienzsteigerung", dessen Eckpunkte der scheidende Konzernchef Ulrich Lehner am Mittwoch vorstellte. Ziel sei es, die Ertragskraft und Wettbewerbsfähigkeit von Henkel nachhaltig zu stärken. Dazu sollen ab 2011 jährliche Einsparungen in Höhe von rund 150 Millionen Euro realisiert werden.

Der Stellenabbau werde "entsprechend unserer Tradition und unseren Werten sozial verträglich erfolgen", versprach Lehner. Einzelheiten würden allerdings erst nach der Konkretisierung einzelner Projektideen und nach Gesprächen mit den Arbeitnehmervertretungen sowie mit betroffenen Mitarbeitern festgelegt. Henkel beschäftigt derzeit noch weltweit über 52.000 Mitarbeiter, davon rund 10.000 in der Bundesrepublik.

Es ist kein aus der Not geborenes Sparprogramm. Denn Henkel (Unternehmensleitsatz: "A Brand like a Friend") geht es glänzend: Im Geschäftsjahr 2007 durfte sich der Konzern über einen Rekordgewinn freuen. Der Jahresüberschuss wuchs um 8 Prozent auf 941 Millionen Euro. Das betriebliche Ergebnis (Ebit) steigerte sich um 3,5 Prozent auf 1.344 Millionen Euro. Bereinigt um Wechselkurseffekte, lag die Steigerung bei 5,8 Prozent. Der Umsatz stieg um 2,6 Prozent auf gut 13 Milliarden Euro. Im laufenden Jahr rechnet Henkel mit einem weiteren Anstieg von Umsatz und Ergebnis. Allerdings macht die Umsatzrendite den Konzernlenkern noch Kummer. Denn die stieg 2007 nur leicht von 10,2 auf 10,3 Prozent, soll jedoch bis Ende 2008 auf 12 Prozent klettern.

An den Produkten des 1876 gegründeten Konzerns kommt im Alltag niemand vorbei: Klebstoffe wie Pattex, Ponal und Pritt gehören ebenso dazu wie die Zahncreme Theramed oder das Altherrenrasierwasser Hâttric. Fürs Haar produziert Henkel Gliss und Poly Kur. Zum Sortiment an Waschmitteln, mit denen alles anfing, gehören die Marken Persil, Perwoll und Weißer Riese.

Während die Beschäftigten jetzt um ihren Job zittern müssen, können sich die Aktionäre freuen: Angesichts der guten Entwicklung schlagen Geschäftsführung, Aufsichtsrat und Gesellschafterausschuss eine Erhöhung der Dividende je Vorzugsaktie von 50 auf 53 Cent und je Stammaktie von 48 auf 51 Cent vor. Darüber entscheidet die Hauptversammlung Mitte April. Dann tritt der 61-jährige Vorstandschef Lehner aus Altersgründen ab. Nachfolger wird sein Stellvertreter, der gebürtige Däne Kasper Rorsted.

PASCAL BEUCKER

Einmal zahlen
.

Fehler auf taz.de entdeckt?

Wir freuen uns über eine Mail an fehlerhinweis@taz.de!

Inhaltliches Feedback?

Gerne als Leser*innenkommentar unter dem Text auf taz.de oder über das Kontaktformular.

Bitte registrieren Sie sich und halten Sie sich an unsere Netiquette.

Haben Sie Probleme beim Kommentieren oder Registrieren?

Dann mailen Sie uns bitte an kommune@taz.de