Treffen im Niemandsland: Zypern-Gespräche in Zeitlupe

Eigentlich könnten sich die beiden Präsidenten der geteilten Insel bei ihren neuen Verhandlungen ab heute schnell einigen. Vielleicht läuft deswegen alles so langsam.

Zyperns griechischer Präsident Demetris Christofias (l.) und sein zyperntürkischer Amtskollege Mehmet Ali Talat (r.) treffen sich auf dem International Airport in Nikosia. Bild: dpa

BERLIN taz Griechische Demonstrationen gegen türkische Zyprioten, harsche türkische Erklärungen, eine abgesagte Pilgerfahrt und aufgebrachte Bischöfe: Kurz vor Beginn der ersten direkten Verhandlungen über eine Lösung der Zypernfrage seit mehr als vier Jahren ist die Atmosphäre zwischen beiden Volksgruppen angespannt. "Traurig", sagt Zyperns griechischer Präsident Dimitris Christofias zur jüngsten Entwicklung. "Die Angelegenheit ist außer Kontrolle geraten", ergänzt sein zyperntürkischer Widerpart Mehmet Ali Talat.

Der Anlass zum Streit findet sich in dem Fischerdorf Kato Pyrgos, deren griechische Einwohner zwischen dem türkischen Inselnorden und der kleinen türkischen Exklave Erenköy quasi eingeklemmt sind. Schon lange hofft man dort auf die Eröffnung eines Checkpoints in den Norden, der die bisher umständliche Reise nach Nikosia um Stunden verkürzen würde. Als nun Zyperntürken die Durchfahrt aus dem Norden zum Besuch der Gräber ihrer Angehörigen in Erenköy erlaubt wurde, nicht aber in umgekehrter Richtung eine Reise griechischer Pilger in die Kirche Sankt Mamas im nördlichen Morphou, war das Maß voll. Nur mit Mühe gelang es der Regierung in Nikosia, Kato Pyrgos Bürgermeister Charalambos Pittas davon abzubringen, die Busse der Zyperntürken bei der Fahrt durch sein Dorf zu blockieren. Bischof Neophytos sagte die Pilgerreise kurzerhand ab.

Dem Dorf- und Popentheater zum Trotz werden die Verhandlungen zwischen Griechen-Präsident Christofias und Türken-Präsident Talat heute wie geplant beginnen. Doch von Euphorie ist nicht viel zu bemerken. Genauso wenig ist mit raschen Fortschritten zu rechnen. Einmal die Woche wollen sich Christofias und Talat im Niemandsland der UN-Pufferzone treffen. Ein Zeitplan ist nicht vorhanden. UN-Vermittler Alexander Dwowner, ehemaliger Außenminister Australiens, will nur einmal im Monat in Nikosia vorbeischauen und möchte erst 2009 aktiver in die Gespräche eingreifen.

Dabei stehen die Chancen für eine Übereinkunft gar nicht so schlecht. Anders als vor vier Jahren, als ein nationalistischer zyperngriechischer Präsident sein Volk dazu brachte, einen UN-Plan zur Wiedervereinigung per Volksabstimmung abzulehnen, sind heute mit Christofias und Talat zwei linke Pragmatiker am Ruder, die sich seit Jahren gut kennen. Im Süden genießt Christofias bei der Zypernfrage zudem die Unterstützung der konservativen DISY-Partei. Bei einem erneuten Volksvotum scheint eine Mehrheit der Griechen für die Wiedervereinigung damit gesichert. Auch ist der Rahmen einer Vereinbarung bekannt: Beide Seiten streben die Gründung eines gemeinsamen Bundesstaats mit zwei Zonen an. Der Teufel steckt in Details: Entschädigung für Flüchtlinge, der Status von türkischen Migranten, das Wohnrecht für Griechen im türkischen Norden.

Bei der Frage des Abzugs der 40.000 Mann starken türkischen Armee aus dem Norden stoßen die zypriotischen Verhandlungspartner an ihre Grenzen. Da ist die Regierung in Ankara zuständig. Vor vier Jahren hatte sich die Türkei zum schrittweisen Abzug bereit erklärt.

Angesichts einer möglichen Lösung haben auf beiden Seiten Nationalisten mobil gemacht. Als "Verräter" wurde Talat gebrandmarkt, weil er in Vorgesprächen einer gemeinsamen Staatsangehörigkeit zustimmte. Im Süden mobilisieren Exstaatschef Tassos Papadopoullos und Kirchenvertreter gegen Christofias. Als Bischof Georgios von Paphos jüngst dem Präsidenten vorwarf, das Zypern-Problem falsch zu behandeln, verlor der endlich die Contenance: "Dieser Staat ist keine Theokratie", empörte sich Christofias.

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