Touristen-Drama: Lebenslang für Abu-Sayyaf-Rebellen

Ein philippinisches Gericht verurteilt 14 Islamisten wegen Entführung und Ermordung von Touristen vor sechs Jahren. Viele mutmaßliche Kidnapper sind allerdings noch flüchtig.

Sieg im Kampf gegen den Terror: Das Urteil gegen Abu-Sayyaf Rebellen Bild: rtr

Ein Gericht in Manila hat gestern 14 Mitglieder der islamistischen Rebellen- und Kidnappergruppe Abu Sayyaf zu lebenslanger Haft verurteilt. Sie wurden für schuldig befunden, 20 Touristen und Einheimische im Mai 2001 aus einer Ferienanlage auf der westlichen Insel Palawan ins südliche Basilan entführt und dort über ein Jahr als Geiseln gehalten zu haben. Der US-Amerikaner Guillermo Sobrero wurde enthauptet. Bei einer Befreiungsaktion starben im Juni 2002 der US-Missionar Martin Burnham und eine Filipina. Burnhams Frau Gracia überlebte verletzt und sagte als Zeugin aus.

Das Gericht sprach vier Angeklagte frei. Drei von ihnen müssen aber im Gefängnis bleiben, weil gegen sie noch andere Verfahren laufen. Die einzige angeklagte Frau wurde aus gesundheitlichen Gründen freigelassen. Von den ursprünglich 85 Verdächtigen konnten nur 23 vor Gericht gestellt werden. Die anderen sind flüchtig. Vier Angeklagte kamen bei einer Gefängnismeuterei im März 2005 ums Leben, ein weiterer wurde als unschuldig freigelassen. Hätte die Regierung 2006 nicht die Todesstrafe abgeschafft, würde den Verurteilten jetzt die Hinrichtung drohen.

"Das Urteil warnt jene, die Terrorakte planen, dass die Regierung in ihrem Kampf gegen den Terror unerbittlich ist", kommentierte Staatsanwalt Aries Reyes laut dem Philippine Daily Inquirer das Urteil. "Wir betrachten es als Sieg gegen den Terrorismus." Die US-Botschaft in Manila lobte das Verfahren und die Urteile. Gracia Burnham hatte in einem Buch einige Militärs der Komplizenschaft mit den Entführern bezichtigt, was jetzt aber nicht Teil des Prozesses war.

Die Gruppe Abu Sayyaf ("Träger des Schwerts") war 1991 vom philippinischen Afghanistan-Veteranen Abdurajak Janjalani gegründet worden. Auf den Philippinen wird immer wieder gemunkelt, das Militär habe seine Hand im Spiel gehabt, denn die Gruppe rekrutierte sich vor allem aus der gemäßigteren muslimischen Separatistenorganisation MNLF. Abu Sayyaf machte durch Geiselnahmen und brutale Überfälle auf sich aufmerksam. Die Gruppe, der Kontakte zu al-Qaida und zum südostasiatischen Terrornetz Jemaah Islamiyah nachgesagt werden, hat kaum Rückhalt unter lokalen Muslimen. 2000 wurde die von den USA auf der Liste der Terrororganisationen geführte Gruppe durch Entführung von 21 Touristen und Einheimischen auf die Insel Jolo weltbekannt. Unter den Geiseln war die Göttinger Familie Wallert, die gegen mutmaßliche Lösegeldzahlungen freikam.

2004 tötete Abu Sayyaf mit einem Anschlag auf eine Fähre 116 Menschen. Seit 2006 ist Abu Sayyaf in der Defensive, nachdem das von den USA aufgerüstete und trainierte Militär mehrere Führer töten konnte.

Einmal zahlen
.

Fehler auf taz.de entdeckt?

Wir freuen uns über eine Mail an fehlerhinweis@taz.de!

Inhaltliches Feedback?

Gerne als Leser*innenkommentar unter dem Text auf taz.de oder über das Kontaktformular.

Bitte registrieren Sie sich und halten Sie sich an unsere Netiquette.

Haben Sie Probleme beim Kommentieren oder Registrieren?

Dann mailen Sie uns bitte an kommune@taz.de