: Tot am Schalter
Inder gräbt Schwester für Bankgeschäfte aus
Wenn die Toten auf der Leinwand aus ihren Gräbern steigen, tun sie das für gewöhnlich, um den Lebenden das Blut auszusaugen oder ihr Hirn zu schlürfen. Im wahren Leben geht es viel absurder zu. Dort werden die Toten bei der örtlichen Sparkasse vorstellig – jedenfalls in Indien. „Um den Tod seiner Schwester zu beweisen und dadurch Zugang zu ihrem Konto zu bekommen“, erzählte AFP gestern ein Schauermärchen vom sagenhaften Subkontinent, habe ein verzweifelter Kunde aus dem bettelarmen Bundesstaat Odisha am Golf von Bengalen „die einige Tage zuvor bestattete Leiche“ der verblichenen Erblasserin „ausgegraben und in die Bankfiliale gebracht“. Auch wenn ein Leichnam am Schalter zweifellos eindrückliche Aussagekraft besitzt, besteht die Bank weiterhin auf der Vorlage einer Sterbeurkunde. Damit sich diese „sehr unangenehme Situation“, wie die Institution in typisch indischem Understatement schreibt, nicht wiederholt, möchte die betroffene Indian Overseas Bank bald eine eigene Filiale für Wiedergänger einrichten. Eingelassen werden nur leichenstarr wankende Kreditnehmer mit leerem Blick ohne Hoffnung und keinerlei Vitalzeichen in der Schufa-Auskunft. Aber womöglich ist auch das nur ein weiteres Schauermärchen vom Subkontinent.
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