Torwart Kirschstein zum Wettskandal: "Ich werde sicher freigesprochen"

Sascha Kirschstein, Torwart von Rot Weiss Ahlen, behauptet, ein ehemaliger Nachbar und Wettpate habe ihn in eine Manipulationsaffäre hineingezogen, um Geld einzustreichen.

Sascha Kirschstein: "Ich habe nie extra schlecht gehalten. Das ist nachweisbar". Bild: dpa

taz: Herr Kirschstein, Sie sind wirklich schwer zu erreichen.

Sascha Kirschstein: Ja, kein Wunder. Früher hatte ich mal drei Handys. Aber seit Ende November kein einziges mehr

Was ist passiert?

Einen Tag vor dem Zweitligaspiel gegen Alemannia Aachen, morgens um 7.15 Uhr, stand die Polizei vor meiner Tür, und zwar mit einem Hausdurchsuchungsbeschluss der Staatsanwaltschaft Bochum. Die ermittelt ja im Wettskandal. Die Polizisten sind bei mir rein, haben alles durchsucht und meine Handys mitgenommen. Das ist nun schon über vier Monate her.

Wie haben Sie reagiert?

Ich habe gesagt: Fühlt euch wie zu Hause. Ich hatte und habe nichts zu verbergen. Ich bin unschuldig, und das wird sich auch bestätigen. Über meinen Anwalt konnte ich alle Verdächtigungen ausräumen. Ich werde freigesprochen, da bin ich mir ganz sicher.

Sascha Kirschstein - Der 29-Jährige war 2006 Stammtorwart beim Hamburger SV und spielte in der Champions League. Danach wechselte er zu Greuther Fürth. Seit dieser Saison hütet er für Rot Weiss Ahlen das Tor.

Im Jahre 2009 sollen mindestens 200 Fußballspiele in neun europäischen Ländern manipuliert worden sein. Davon sind 32 Partien in Deutschland betroffen. Das teilte die Staatsanwaltschaft Bochum im vergangenen November mit. Neben 15 weiteren Verdächtigen wurden damals die beiden kroatischen Brüder Ante und Milan Sapina aus Berlin verhaftet, die schon 2005 im Manipulationsskandal um Schiedsrichter Robert Hoyzer verwickelt waren. Vergangenen Montag informierte nun der Deutsche Fußball-Bund darüber, dass es bei der Zweitligapartie Anfang Februar zwischen 1860 München und Rot Weiss Ahlen (0:1) einen Hinweis auf eine "möglicherweise beabsichtigte Spielmanipulation" gebe.

Das ist ihre Meinung. Ein ehemaliger Nachbar aus Fürth, ein sogenannter Wettpate, wurde abgehört. Er soll gesagt haben, dass er dank eines ihm gut bekannten Torwarts den Spielausgang des Matches Rostock gegen RW Ahlen garantieren könne. Sie sollten dafür 50.000 Euro erhalten.

Ich kenne die Anschuldigungen. Aber mit dem Nachbarn habe ich nur einmal im meinem Leben geredet. Ganz kurz am Gartenzaun. Das angesprochene und angeblich mit meiner Hilfe verschobene Spiel gegen Rostock haben wir zwar 2:0 verloren. Beide Tore fielen jedoch durch Elfmeter, die ich beim besten Willen nicht halten konnte. Überhaupt spiele ich doch eine ausgezeichnete Zweitligasaison. Das beweisen die Noten in den Fachzeitungen. Ich habe nie extra schlecht gehalten. Das ist nachweisbar.

Wie erklären Sie sich dann die Vorwürfe?

Der Nachbar hat in meinem Namen geredet, ohne dass ich das wusste. Er hat mit einem erfundenen Versprechen, nämlich dass ich Tore reinlasse, das Geld abkassiert.

Sie fühlen sich als Opfer?

Im gewissen Sinne ja. Denn selbst wenn meine Unschuld endlich öffentlich festgestellt und bekannt gegeben wird; irgendwas bleibt in solchen Fällen immer hängen.

Sind Sie deshalb ärgerlich auf den DFB und denken bei Freispruch über eine Schadensersatzklage nach?

Nein. Der Verband muss ja den Vorwürfen nachgehen. Ich bin nur richtig verärgert über eine undichte Stelle bei der Polizei oder der Staatsanwaltschaft, die meinen Namen dem Spiegel zugespielt hat und der das dann auch noch veröffentlicht hat. So etwas macht man nicht!

Wie können Sie sich denn als Torwart am wirksamsten vor den Anschuldigungen schützen?

Am besten, ich bekomme nie etwas zu tun. Dann muss ich auch keinen durchlassen. Aber das geht ja kaum.

Aktuell besonders nicht in Ihrem Klub, dem Vorletzten der 2. Bundesliga. Sie verlieren oft. Dennoch werden Ihnen regelmäßig sehr gute Leistungen nachgesagt. Gegen 1860 München beim 1:0 Auswärtserfolg hieß es gar, Sie seien Weltklasse gewesen.

Zunächst einmal ist meine Leistung auch ein großer Dank an den Verein RW Ahlen, der zu mir gehalten hat. Dass ich hier überhaupt weiterspielen darf und nicht gleich mit Bekanntgabe der Anschuldigungen rausgeworfen wurde, ist wirklich klasse. Auch deshalb engagiere ich mich sehr stark beim RW Ahlen. Nicht nur auf dem Fußballplatz. Sondern auch in der Geschäftsstelle, bei der Weihnachtsfeier oder wenn immer ich hier sonst gebraucht werde.

Bei aller Dankbarkeit, ewig wollen Sie aber auch nicht für Ahlen spielen, oder?

Das stimmt. Ich habe immerhin schon für den Hamburger SV Champions League gespielt. Ich sehe mein Engagement in Ahlen als eine gute Bühne, auf der ich mich für andere Vereine präsentieren kann. Am liebsten mit dem Klassenerhalt. Vielleicht schaffen wir es ja noch, die 2. Liga über die Relegation zu halten.

Haben Sie andere Angebote?

Ja. Das Torwartkarussell dreht sich derzeit unheimlich schnell. Ich habe einige Offerten aus dem Ausland wie aus der 1. Bundesliga. Ich denke mir, diese Klubs würden mich ja alle nicht verpflichten wollen, wenn sie davon ausgehen, dass ich am Wettskandal beteiligt war und dafür drei Jahre Sperre bekomme.

Worauf freuen Sie sich denn - einen Freispruch im Verfahren vorausgesetzt - am meisten?

Meinen Kopf endlich wieder vollständig für den Fußball frei zu haben und natürlich auf meine Handys.

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