Tiefer Einblick in die Kultur: "Deutsch als Zugang zu Zentraleuropa"

Ein Gespräch mit der Leiterin des Goethe-Instituts Madrid über Spracherwerb und kulturellen Austausch und die neue Faszination von Berlin

Auch das Goethe-Institut in Kalkutta wirbt für die deutsche Sprache Bild: dpa

taz: Wer kommt zum Deutsch lernen ins Goethe-Institut Madrid?

Nikki Keilholz-Rühle: In erster Linie sind es Leute, die genau wissen, was sie mit der Sprache wollen: für das Studium, beruflich, aber auch für Reisen. Es kommen aber auch viele, die sich für deutsche Literatur interessieren. Meistens können sie schon Deutsch sprechen und wollen durch diese Kurse versuchen in der Sprache drinzubleiben.

Kommen auch spanische Migranten, die in den Sechzigern, Siebzigern in Deutschland gearbeitet haben und Ihre Sprachkenntnisse bewahren wollen?

Remigranten kommen nicht. Das ist auch eine Altersfrage.

Wie verhalten sich Sprache und Kulturvermitttlung?

Über die Sprache hat man den direktesten, intensivsten und auch den tiefsten Zugang zu einer anderen Kultur. Ohne Sprache ist es schwierig sich eine Kultur anzueignen.

Was interessiert einen Spanier an der deutschen Kultur?

NIKKY KEILHOLZ-RÜHLE, 54, hat Soziologie, Geschichte und Literatur studiert. Aufbau der Sprach- und DaF-Abteilung des Goethe-Instituts Prag. Koordinatorin von Zentraleuropa in der Zentrale in München. Seit 2004 Leiterin des Goethe-Instituts Madrid.

Ich kann natürlich mit den Klischees anfangen. Also erst einmal die Autos. Dann die Vorstellung, dass das, was in Deutschland produziert wird, einen sehr hohen Qualitätsstandard hat. Alles was Wissenschaftsgeschichte ist und wissenschaftliche Forschung betrifft, ist generell positiv besetzt. Heutzutage fahren viele Spanier nach Berlin. Man kann sagen, Berlin ist die Stadt, die Spanier am meisten interessiert. Berlin hat eine extreme Anziehung und dass nicht nur für junge Spanier.

Warum?

Die Stadt wirkt ruhig, grün, großzügig und ist nicht so wahnsinnig teuer wie andere europäische Großstädte. Junge spanische Künstler sind begeistert von den Netzwerken, die es unter Künstlern und in der Subkultur Berlins gibt. Sie sagen, dass man sich in Berlin entfalten kann, während es in Madrid dafür keine Räume gibt. In Madrid haben sehr viele kulturelle Aktivitäten einen Festivalcharakter. Es fehlt nicht an Geld, eher an Raum.

Wie viel Prozent der spanischen Schüler kommen mit Deutsch in Berührung

Ein Prozent. Das liegt daran, dass es hier keine zweite Fremdsprache an den Schulen gibt. Es soll nun mehr bilinguale Schulen geben und damit kann sich etwas ändern. Ansonsten wird an Privatschulen Deutsch gelehrt. Aber im öffentlichen Schulwesen in Spanien ist Deutsch fast nicht präsent.

"Englisch ist ein Muss, Deutsch ein Plus", so lautet ein Motto des Instituts. Was bringt es einem Spanier, Deutsch zu lernen?

Dieses Plus gilt für Beruf und Studium, aber mit Deutsch bekommen sie auch einen anderen Einblick in das, was Europa ausmacht. Früher gehörte Deutsch für jeden gebildeten Spanier dazu. Es gibt eine Tradition: Deutsch als Zugang zu Zentraleuropa und zur europäischen Geschichte.

Was ist aktuell Ihr persönlicher literarischer Favorit?

Ich mag Alexander Kluge. Wir haben eine Kluge-Retroperspektive gemacht. Ich glaube, dass er eine Linie von der Frankfurter Schule über Film und Literatur vertritt, die sehr deutsch ist. Das hat mich immer beeindruckt.

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