: Tempodrom-Standort wurde niedergestimmt
■ Kreuzberg: Schwarz-grüne Mehrheit gegen Solarzelt am Anhalter Bahnhof
„Da ist noch nichts verloren“, kommentierte Tempodrom-Chefin Irene Moessinger gestern das Abstimmungsergebnis der Kreuzberger Bezirksverordnetenversammlung (BVV). Am Mittwoch abend hatten sich die Bezirkspolitiker mit knapper Mehrheit gegen Moessingers Wunschstandort Anhalter Bahnhof ausgesprochen: In der geheimen Abstimmung votierten 20 Verordnete der schwarz- grünen Ablehnungsfront gegen den Standort Anhalter Bahnhof, für den sich Bürgermeister Peter Strieder (SPD) stark macht.
Auch für Peter Strieder ist die Abstimmungsniederlage erst der Anfang einer öffentlichen Diskussion. „Jetzt muß Überzeugungsarbeit geleistet werden.“ Er hält das Tempodrom nach wie vor für eine „Belebung und einen Höhepunkt“ des geplanten Parks am Anhalter Bahnhof. Die Kreuzberger Grünen lehnen eine Ansiedlung des Tempodroms dort ab, weil sie angesichts der zahlreichen Bauprojekte in Mitte dort eine zusammenhängende Grünfläche erhalten wollen. „Es gibt bereits einen Antrag, die Hochfläche zum Naturschutzgebiet zu erklären“, sagte der Fraktionsvorsitzende der Kreuzberger Grünen, Franz Schulz. Schulz befürchtet, daß die Ansiedlung des Tempodroms einer weiteren Bebauung des Geländes Vorschub leisten würde. Strieder argumentiert genau andersrum: „Wenn da erst mal das Tempodrom steht, ist eine Randbebauung undenkbar.“
„Park oder Kultur“ als Gegensatz zu sehen, hält Irene Moessinger für „das größte Fehldenken“: „Das Tempodrom würde den öden Gürtel erst zum Park machen.“ Sie kann nicht begreifen, warum ausgerechnet die Grünen gegen die „beispielhafte Verbindung“ eines ökologischen Bauwerks mit einer Grünfläche Sturm laufen.
Der Ausweichstandort Schlesischer Busch an der Bezirksgrenze von Treptow und SO36 ist für Irene Moessinger „keine Alternative“. „Unser Konzept, das Gebäude mit privaten Geldern zu finanzieren, läßt sich nur an einem exponierten Ort verwirklichen.“ Strieder will im Januar oder Februar „einen neuen Anlauf nehmen“. Er hofft, daß sich die Kulturschaffenden der Stadt für den Anhalter Bahnhof engagieren werden. Dorothee Winden
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