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■ SurfbrettEin Lexikon aus der Retorte

Daß im Internet das gesamte Wissen der Menschheit gespeichert sei, ist ein gerngeglaubtes Märchen. In der Realität, auch der digitalen, ist ein gewöhnliches Lexikon nützlicher. Selbstverständlich hat auch der Brockhaus seine Website, aber dort werden nur die Vorzüge des deutschen Standardwerkes angepriesen. Anders Meyers Lexikon, der historische Vorläufer: Die Ausgabe von 1993 ist vollständig und kostenlos unter www.iicm.edu/ Cref.m10 einzusehen. Es gibt eine Suchfunktion und alphabetische Verzeichnisse, durch die man sich zu den einzelnen Artikeln vorkämpfen kann. Der Servername erklärt, warum dieses Angebot nichts kostet: Die Abkürzung „IICM“ steht für das „Institut für Informationsverarbeitung und computergestützte neue Medien“ an der TU Graz. Hier gilt das World Wide Web schon seit ein paar Jahren als veraltet, Meyers Lexikon ist nur ein Testobjekt für die hier entwickelte, einst „Super-G“ genannte höhere Stufe der Navigation in großen, dynamischen Datenbeständen. Unter dem Namen „Hyperwave“ wird sie auch kommerziell vermarktet. In ihre tieferen Geheimnisse können in Graz aber nur Studenten eindringen, die sich mit Matrikelnummer anmelden. Sie bekommen nicht nur ein Lexikon, sondern einen ganzen Arbeitsplatz in einer privaten Hyperbibliothek geschenkt.

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