■ Staatsanwalt kopiert Dagobert: Rache ist süß
Von Dagobert lernen heißt siegen lernen. Die Staatsanwaltschaft konnte zwar die landesweite Sympathie für den Kaufhauserpresser noch nie so recht verstehen, doch einem gewissen Respekt vor seinem Erfindergeist konnte auch sie sich nicht entziehen. Nun ist sie selbst der Dagomanie verfallen. Seit dem Tag, an dem Dagobert statt zu den von ihr beantragten knapp elf „nur“ zu knapp acht Jahren verurteilt wurde, sind drei lange Monate vergangen. Während dieser Zeit hat die Staatsanwaltschaft die technische Gerissenheit von Dagobert, der hinter Gittern gegen seine Depressionen ankämpft, auf die Juristerei übertragen und ein Revisionsverfahren ausgetüftelt. Mit der gleichen Hartnäckigkeit, wie Dagobert den Kaufhäusern ans Geld wollte, halten die Ankläger an ihren „generalpräventiven Aspekten“ fest.
Doch mit ihrer rachsüchtigen Härte wird die Staatsanwaltschaft, sollte sie grünes Licht für ihre Revision bekommen, genau das erreichen, was sie schon im März unbedingt vermeiden wollte: daß Dagobert trotz seiner kriminellen Taten zu einem Mythos wird. Denn seit seiner Verurteilung ist es um Funke still geworden. Erst die Staatsanwaltschaft, die im Unterschied zu Dagobert im Vollbesitz ihrer geistigen Kräfte ist, macht aus dem ehemaligen Lackierer durch die von ihr angestrengte neue Prozeßrunde eine „Person der Zeitgeschichte“. Barbara Bollwahn
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