: St. Pauli–Prozeß hat begonnen
Hamburg (taz) - Wegen der scharfen Sicherheitsvorkehrungen begann der spektakuläre Prozeß vor einer mit drei Ersatzschöffen und zwei Ersatzrichtern ausgestatteten Schwurgerichtskammer gegen die drei mutmaßlichen Komplizen des toten „St. Pauli– Killers“ Werner Pinzner verspätet. Im Sicherheitstrakt des Hamburger Strafjustizgebäudes drängten sich hundert PressevertreterInnen und ZuschauerInnen. Der 27jährige Armin Hockauf und der 30jährige Siegried Dräger beide stämmig, selbstbewußt und schick, genossen mit breitem Grinsen die geballte Aufmerksamkeit der bundesdeutschen und auch österreichischen Presse. Deren Augenmerk galt wohl vor allem dem dritten Angeklagten, dem 37jährigen Österreicher Joseph–Peter Nusser (“Wiener–Peter“). Das Verfahren, in dem insgesamt 137 Zeugen und 55 Gutachter gehört werden sollen, wird wahrscheinlich mehrere Monate, vielleicht sogar ein ganzes Jahr dauern. Zur Anklage stehen ein Raubüberfall an zwei ADAC– Geldboten in Hamburg–City am 18. Juni 1984, bei dem die mutmaßlichen Täter Werner Pinzner, Armin Hockauf und Siegfried Dräger 71.000 Mark und Verrechnungsschecks erbeutet hatten. Vor allem aber geht es um die „Morde auf Bestellung“ an den Bordelliers Jehuda Arzi, Peter Pfeilmaier, Dietmar Trau, Waldemar Damma und Ralf Kühne in den Jahren 1984/85. Pinzner hat laut seinem Geständnis vor seiner Selbstrichtung diese Morde mit durchgeführt, bei denen die Angeklagten in unterschiedlicher Weise mitgewirkt haben sollen.
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