Spitzenforscher gesucht: Viele Lehrstühle sind noch leer

4.000 exzellente ForscherInnen sollten seit 2006 die neue Elite der deutschen Wissenschaft bilden. Doch erst ein Drittel der Stellen ist besetzt. Grund: zu wenig BewerberInnen.

Gesucht: Exzellente WissenschaftlerInnen – zum Beispiel um die neue Bibliothek der Exzellenz-Uni FU Berlin zu bevölkern. Bild: ap

Gleich sechs Professuren hatte das Tübinger Centrum für integrative Neurowissenschaften (CIN) im Frühjahr 2008 zu vergeben. Doch nach neun Monaten konnten erst vier Stellen mit exzellenten Hirnforschern besetzt werden. Eine Professur muss sogar neu ausgeschrieben werden, weil kein geeigneter Bewerber sich meldete. "Wir hätten uns gewünscht, wir wären schon weiter", seufzt die Geschäftsführerin des CIN, Andrea Schaub.

Das CIN ist einer von 37 Forschungsverbünden, Cluster genannt, die seit 2006 im Rahmen des bundesweiten Elitewettbewerbs finanziell kräftig gefördert werden. Und sie ist nicht die einzige Wissenschaftseinrichtung, die erkennen muss, dass das notwendige elitäre Personal recht mühselig zu rekrutieren ist. Das mit der Beobachtung betraute Institut für Forschungsinformation und Qualitätssicherung (IfQ) stellt in einem Zwischenbericht fest, dass im April 2008 noch knapp zwei Drittel der zu besetzenden Stellen unbesetzt waren. Oder andersherum: Für 2.500 von 4.000 zu vergebenden Jobs wurden noch Wissenschaftler gesucht.

Die rot-grüne Bundesregierung und die Wissenschaftsverbände hatten den Wettbewerb um die beste Uni und die zukunftsträchtigste Forschung 2005 gestartet und wollten Deutschland so endlich zu dem zu verhelfen, womit andere Länder gern angeben: Elitehochschulen und -forscher. Zu diesem Zweck fließen 1,9 Milliarden Euro über fünf Jahre an ausgewählte Unis, Nachwuchskollegs und die Exzellenzcluster.

Dass die Elitemaschine so stotternd anspringt, liegt nach Ansicht von Anne-Marie Scholz vom IfQ zum einen an langen Berufungsverfahren. Diese dauern in der Regel zwei Jahre. Hinzu käme, dass die Auswahl an exzellenten ForscherInnen begrenzt wäre. "Gesucht werden Leute mit sehr speziellen Kenntnissen, um diese konkurrieren national mehrere Einrichtungen", erläutert Scholz. Auch die Konkurrenz aus dem Ausland sei hoch, so würden in den USA höhere Stipendien vergeben. "Unter diesen Umständen ist es ein Erfolg, dass schon so viele Stellen besetzt werden konnten", sagt Scholz.

Um HirnforscherInnen etwa reißen sich die Wissenschaftsbetriebe derzeit. Die junge Disziplin boomt, und noch gibt es wenige erfahrene Kapazitäten. Um solche bemüht sich auch das Forschungszentrum Neurocure an der Berliner Charité, das zweite Exzellenzcluster, in dem Gehirne erforscht werden. "Wir haben über drei Monate lang gezielt Leute angesprochen und über 400 Mails geschrieben", berichtet Dietmar Schmitz von der Charité. Der Aufwand hat sich gelohnt. Auf die 15 Stellen für NachwuchsforscherInnen und ProfessorInnen haben sich über 300 Leute beworben, die Hälfte davon aus dem Ausland. 8 Lehrstühle konnten bereits besetzt werden. 3 Professuren konnten international besetzt werden.

Den Deutschen kommt derzeit auch die Finanzkrise zu Hilfe: "In den USA werden kaum noch Projekte bewilligt", berichtet Schmitz. Auch in Tübingen habe man im Herbst einen deutlichen Anstieg der Bewerberzahlen aus dem Ausland verzeichnet, erzählt Schaub.

Einmal zahlen
.

Fehler auf taz.de entdeckt?

Wir freuen uns über eine Mail an fehlerhinweis@taz.de!

Inhaltliches Feedback?

Gerne als Leser*innenkommentar unter dem Text auf taz.de oder über das Kontaktformular.

Bitte registrieren Sie sich und halten Sie sich an unsere Netiquette.

Haben Sie Probleme beim Kommentieren oder Registrieren?

Dann mailen Sie uns bitte an kommune@taz.de

Ihren Kommentar hier eingeben