Später Vorwahlsieg für Clinton: Lady’s night in West Virginia

Hillary Clinton gewinnt am Dienstag zwei Drittel der Stimmen. Doch West Virginia ist bevölkerungsarm und die Wahl kommt spät - zu spät, um ihr noch viel zu nützen.

Die demokratischen Anhänger von West Virginia. Bild: reuters

WASHINGTON taz Es war eine Wahlnacht, wie sie sich Hillary Clinton nur wünschen kann: Haushoher Sieg für die Senatorin. Eine Fernsehansprache zur Prima Time. Und Barack Obama nirgendwo in Sicht. Die demokratischen Wähler West Virginias bescherten Hillary Clinton in der Nacht zum Mittwoch vielleicht den deutlichsten Sieg des gesamten Vorwahlrennens um die Nominierung ihrer Partei - mit 67 Prozent der Stimmen. Damit konnte sie ihren innerparteilichen Konkurrenten Barack Obama, der lediglich auf 26 Prozent kam, weit hinter sich lassen. Doch, allein, der Sieg kommt zu spät.

Ihr gutes Abschneiden war zwar erwartet worden. Doch mehr als symbolische Bedeutung wird es für Clinton kaum haben. West Virginia bescherte der Bewerberin nur rund 18 Delegierte. Und viel Schwung kann von dieser Vorwahl auch nicht mehr ausgehen - dafür hätte sie früher im Verlauf dieser Vorwahlen stattfinden müssen, im März vielleicht.

Denn Wahlanalysten gehen davon aus, dass die ehemalige First Lady nicht mehr damit rechnen kann, ihren Rivalen noch zu überholen. Selbst wenn Obama (ähnlich wie in West Virginia) nur noch 30 Prozent der verbleibenden 193 Delegiertenstimmen erhielte, behielte er die Führung bei der Delegiertenzählung inne.

Bis zum 3. Juni stehen noch fünf Vorwahlen an. Kommende Woche werden die Demokraten im US-Bundesstaat Kentucky wählen. Laut Umfragen kann sich Clinton auch dort einen klaren Sieg erhoffen.

Wohl deshalb gab sich Hillary Clinton in der Nacht zum Mittwoch äußerst siegesgewiss und kampflustig. "Ich bin entschlossener denn als je, diese Kampagne fortzusetzen - bis alle die Chancen hatten, ihre Stimme abzugeben", sagte sie vor begeisterten Anhängern. "Dieses Rennen ist noch nicht vorüber."

Clinton betonte in ihrer Rede mehrmals, dass West Virginia ein sogenannter "swing state" sei, also ein Staat, der aufgrund seines hohen Anteils republikanischer Wähler ein in der November-Wahl entscheidender Kampfgrund für die Demokraten werden könnte. "Ich gewinne in den Wechselwählerstaaten - und ich kann die Partei zum Sieg im November führen", rief Clinton in die Kameras und schien dabei unmittelbar die Superdelegierten ihrer Partei ansprechen zu wollen.

In West Virginia - einem Staat mit hoher Arbeitslosigkeit und schwindenden Industriearbeitsplätzen - gehen vor allem Weiße, Senioren und Arbeiter mit niedrigem Einkommen und Bildungsniveau zur Wahl. Gruppen also, die in dieser Wahl zur Stammklientel für Clinton wurden. Damit wiederholte sich für die Politikerin das Abstimmungsmuster, mit dem sie bereits die Vorwahlen in den "Rostgürtelstaaten" Ohio und Pennsylvania überlegen gewonnen hatte.

Obama, der am Dienstag abend auf eine Fernsehansprache verzichtete, konzentrierte sich unterdessen auf das bevorstehende Duell mit dem republikanischen Bewerber John McCain. Der Senator aus Illinois blieb zum Wahlabend nicht einmal in West Virginia, sondern war noch vor der Auszählung bereits weiter nach Missouri gereist, einem der Schlüsselstaaten bei der Präsidentenwahl im November.

Zuvor hatte sich der schwarze Senator noch die Stimmen von drei weiteren Superdelegierten gesichert, darunter die des ebenfalls schwarzen Bürgermeisters von New Orleans, Ray Nagin. Damit kommt Obama auf 282 Superdelegierte, Clinton hingegen bloß auf 273.

Obama kann zwar theoretisch in den noch ausstehenden fünf Vorwahlen die notwendige Mehrheit von 2.025 Delegierten für eine automatische Nominierung erreichen. Als wahrscheinlich gilt das aber nicht. Nach Zählung der Nachrichtenagentur AP kommt er auf 1.875 Delegierte und Clinton auf 1.712. Nach bisherigen Erwartungen werden daher die 795 Superdelegierten, also Parteifunktionäre und demokratische Amtsträger, die Nominierung Ende August auf dem Parteitag der Demokraten entscheiden müssen.

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