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So einfach kann das sein

■ Erstes Kinderbuch zum Thema Homosexualität

Schwule und Lesben – auch wenn sie keine eigenen Kinder haben – werden immer wieder verblüfft, in welch einem frühen Alter die kleinen Geschwister, Neffen und Nichten mit Fragen kommen wie: „Warum bist du denn nicht verheiratet?“, oder „Hast du denn einen Freund/eine Verlobte?“ usw. Mag man/frau auch offen mit der eigenen Sexualität umgehen und dazu stehen, so ist es meist doch sehr schwierig, „kindgerecht“ die kindlichen Fragen nach dem Familienstand, nach dem „Kumpel“ oder der „Mitbewohnerin“ in der Wohnung zu beantworten.

Einer der weiß, wer „Papas Freund“ ist, ist der kleine Junge aus dem gleichnamigen Buch. Seine Eltern sind geschieden, die Wochenenden verbringt er bei Papa und dessen Freund Frank. Er weiß, daß Papa und sein Freund schwul sind. Und was das bedeutet, hat er auch begriffen, denn seine Mama hat es ihm erklärt: „Schwulsein ist nur eine andere Art zu lieben“ – so einfach und selbstverständlich kann das sein!

Und trotzdem ist die zuerst in den USA erschienene Geschichte eine kleine Sensation, handelt es sich doch bei „Papas Freund“ um das erste deutschsprachige Kinderbuch, das sich mit dem heißen Eisen der Homosexualität befaßt. Es ist für zwei- bis sechsjährige Kinder gedacht, entsprechend bunt bebildert und mit wenig Text, dabei mit den vielen winzigen Geschichten versehen, die eine stinknormale schwule Kleinfamilie ausmachen: Da kochen Papa und sein Freund, arbeiten im Garten, gehen mit dem Jungen ins Kino und ins Stadion, streiten sich ab und zu, vertragen sich aber jedesmal wieder und lieben sich eben nur auf eine andere Art.

Wenn die Neffen und Nichten wieder mal neugierig waren, kann einem das Buch auf die Sprünge helfen. Gedacht ist es aber auch für alle Eltern, die ihren Kindern nicht verschweigen wollen, daß sich hinter Haustüren die unterschiedlichsten Familien verbergen, und das sonst in Kinderbüchern übliche Muster Vater-Mutter-Sohn-Tochter schon lange nicht mehr die Regel ist. Die in „Papas Freund“ dargestellte Geschichte bietet eine gute Gelegenheit, kleinen Kindern in einem Alter, wo sie noch keine festen Schablonen im Kopf haben, und für alles offen sind, die wunderbare Vielfältigkeit nahezubringen. Ein längst überfälliges Buch also, zum nächsten Kindergeburtstag dringend zu empfehlen! Sophie Neuberg

Michael Willhoite: „Papas Freund“, deutsch von Jan Wandtke, magnusbuch, 20 Mark.

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