Sichtachsen und ihre Wirkung: Der Hallen neue Kleider

Die Deichtorhallen werden endlich saniert. Unmerklich sind sie ein prominentes Tor zur Hafencity geworden.

Profitieren von der Nähe der Hafencity: die Deichtorhallen. Bild: dpa

Früher lagen die Deichtorhallen am Ende der Kunstmeile. Irgendwo unterhalb des Bahnhofs, in der Talsohle Richtung Hafen – außerdem halb verdeckt durch einen grünen Ballon. Der sieht aus wie ein riesiger Boxhandschuh neben den elegant geschwungenen Deichtorhallen, die einstigen Großmarkthallen, die eine Stiftung 1989 in ein modernes Kunst-Areal verwandelte.

Nach Eröffnung gab’s allerdings nur noch knappes Geld; modernisieren konnte man damit nichts, reparieren nur das Nötigste. Irgendwann wurde mal die Südfassade gerichtet. Aber das Stahlskelett rostet vor sich hin, die Klimatisierung taugt nicht viel, die Lamellen müssen von Hand bedient werden.

Alles ein bisschen ärmlich für Europas größte Halle für moderne Kunst, in der man alles zeigen kann, nur nicht Kunst, die älter ist als 30 Jahre. Für die muss man nämlich extra teure Klimakisten bauen.

Trotzdem hat Deichtorhallen-Chef Dirk Luckow das hin und wieder getan, aber er fand’s schlecht, dass das marode Gebäude sein Programm diktierte. Jahrelang hat er im Aufsichtsrat gepredigt, man müsse sanieren, aber die Politik war taub.

Das wäre sie sicher geblieben, wenn nicht zweierlei passiert wäre: Erstens, es regnete auf die Kunst – unter anderem auf einen Regenschirm von Katharina Fritsche, der daraufhin restauriert werden musste. Zweitens: Die Deichtorhallen wurden optisch freigelegt und somit prominent. Peu à peu hat sich nämlich die Hafencity an die Innenstadt herangefressen und ist irgendwann vis-à-vis den Deichtorhallen angekommen, die plötzlich vom schnieken Spiegel-Hause aus sichtbar waren. Vorher war da Brachland; mithin keine Sichtachse und schon gar keine Flaniermeile gewesen.

Fast könnte man sagen: Die Hafencity braucht die Deichtorhallen als Schlussstein, als Counterpart zur Elbphilharmonie am anderen Ende. Und dieses Scharnier zwischen Stadt und Hafen-Stadt kann natürlich keine marode Hütte sein.

Das hat nicht nur Deichtorhallen-Chef Luckow begriffen, der fein lächelt, wenn man ihn fragt, ob er den Politikern das so gesagt habe. Aber sie haben es verstanden. Anders ist nicht zu erklären, dass der Senat genau jetzt 13 städtische Millionen freigibt, die im Dezember durch die Bürgerschaft gehen.

Damit will man keinen Luxus pflegen. „Wir wollen nur einen Grundzustand herstellen, der den Standards eines internationalen Hauses entspricht“, sagt Geschäftsführer Bert Kaufmann. Die Heizung zählt er dazu, den Einbau doppelverglaster Fenster und eine moderne Lichtanlage. Außerdem will er das Dach dämmen, wegen der Energieeffizienz. Das rechnet sich.

Stattfinden soll das alles zwischen Herbst 2013 und Herbst 2014. Dann wird die Halle geschlossen, und Luckow will ein Programm an wechselnden Orten spielen. Und die erste Ausstellung danach soll der Picasso-Rezeption in der zeitgenössischen Kunst gelten. Pollock, Lichtenstein, Bacon wird es da geben, alles erstklassig klimatisiert und trocken. Luckow freut sich, denn er weiß: Eine neue Ära wird das werden.

Einmal zahlen
.

Fehler auf taz.de entdeckt?

Wir freuen uns über eine Mail an fehlerhinweis@taz.de!

Inhaltliches Feedback?

Gerne als Leser*innenkommentar unter dem Text auf taz.de oder über das Kontaktformular.

Bitte registrieren Sie sich und halten Sie sich an unsere Netiquette.

Haben Sie Probleme beim Kommentieren oder Registrieren?

Dann mailen Sie uns bitte an kommune@taz.de