Selbstmordattentat in Kabul: Anschlag vor deutscher Botschaft

Die Taliban haben sich zu einem Selbstmordanschlag in der afghanischen Hauptstadt Kabul bekannt. Dabei starben mindestens fünf Menschen, weit über 20 wurden verletzt.

Auch die deutsche Botschaft stand teilweise in Flammen. Bild: dpa

Beim ersten Selbstmordanschlag in der afghanischen Hauptstadt Kabul in diesem Jahr sind am Samstagvormittag vor der deutschen Botschaft mehrere Menschen getötet worden. Bei den mindestens fünf Toten handelt es sich um vier afghanische Zivilisten, darunter ein Kind, sowie einen US-Soldaten. Mehr als 20 Personen wurden verletzt, darunter auch mehrere Botschaftsangehörige, wie das Auswärtige Amt mitteilte. Die deutsche Botschaft liegt in unmittelbarer Nähe des US-Miltärcamps Eggers am Rande des Bezirks Wazir Akbar Khan. Fünf US-Soldaten und ein amerikanischer Zivilist seien verletzt, erklärte ein US-Militärsprecher.

Die Taliban bekannten sich zu dem Anschlag. Ihr Sprecher Sabiullah Mudschahed sagte, der Anschlag habe sich gegen deutsches Militärpersonal gerichtet. Der Selbstmordattentäter namens Shams Rahman stamme aus Kabul und habe mit einem Toyota Corolla zwei Fahrzeuge angegriffen, in denen er deutsche Soldaten vermutet habe. Corollas sind in Afghanistan das meist verbreitete Auto. "Die Taliban werden alle Länder zum Ziel machen, deren Truppen in Afghanistan sind," sagte Mudschahed. Laut dpa erklärten die Taliban im Internet, sie hätten acht deutsche Soldaten und auch Diplomaten getötet. Statements der Taliban gelten als nicht sehr glaubwürdig. Es ist zudem unklar, ob der Anschlag der Botschaft oder dem US-Camp galt. An der durch eine starke Außenmauer und einen Schutzzaun gesicherten Botschaft gingen alle Fensterscheiben zur Straße zu Bruch. Sie waren aus dickem Panzerglas. Zur Sicherung der Vertretung seien Bundeswehr-Feldjäger vor Ort, erklärte die Bundesregierung. Auch sei ein Krisenstab eingerichtet worden. Die Kanzlerin habe sich entsetzt über den "menschenverachtenden Terrorakt" gezeigt. Deutschland werde sein Engagement in Afghanistan weiter aufrecht erhalten, betonte sie.

Deutschland hat in Afghanistan 3.200 Soldaten im Rahmen der von der Nato geführten internationalen Schutztruppe Isaf. Der Anschlag könnte zum Ziel gehabt haben, die deutsche Öffentlichkeit abzuschrecken. Wohl auch deshalb erklärten neben der Kanzlerin auch Außenminister Frank-Walter Steinmeier und Verteidigungsminister Franz Josef Jung sofort, dass am deutschen Engagement in Afghanistan nicht gerüttelt werde.

Mit dem Anschlag haben die Taliban erneut gezeigt, dass sie in gut gesicherten Gebieten der Hauptstadt weiterhin schwere Anschläge durchführen können. Aus Sicherheitsgründen mussten bereits im vergangenen Jahr alle Botschaftsmitarbeiter auf das Gelände der Vertretung ziehen.

Bei einem weiteren Selbstmordanschlag am Samstagmittag wurden in der östlichen Provinz Nangarhar nach Isaf-Angaben ein afghanischer Zivilist getötet und sechs Personen, darunter drei Polizisten, schwer verletzt. Am Sonntag starb ein britischer Soldat in der Südprovinz Helmand. Damit wurden in diesem Jahr bereits 16 ausländische Soldaten in Afghanistan getötet.

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