: Scientology, was ist das?
Scientology („Lehre des Wissens“) geht davon aus, daß die Welt zum Untergang verurteilt ist. L. Ron Hubbard, Gründer der Sekte und selbsternanntes „Universalgenie“, der bescheidene 265 „Bücher“ verfaßt hat, habe den einzig möglichen Weg zur Errettung gefunden. Dieser liege in scientologischen Verfahren („Training“, „Auditing“), die zur „Befreiung des Geistes“ führen sollen und unter dem Begriff „DIANETIK“ zusammengefaßt werden. Der Mensch soll zunächst den Zustand des „CLEAR“ (frei) erreichen, um dann weitere, höhere „OT- Grade“ und damit die „totale Freiheit“ zu erwerben.
Neben dem Versprechen von erhöhter Leistungskraft und Glück belegt das folgende Zitat den Eliteanspruch der Scientologen: „Nur CLEARS und OTS werden diesen Planeten überleben! Und wir sind die einzigen, die welche machen können.“
Die sogenannte „Brücke zur totalen Freiheit“ beinhaltet eine große Anzahl verschiedener Scientology-Kurse und Trainingsangebote. Ziel aller Aktivitäten ist der „effektiv“ organisierte Verkauf der Kurse.
Die Scientologen haben den „Nerv der Zeit“ voll und ganz erfaßt. Die Probleme auf unserer Erde, sei es Gewalt oder Umweltverschmutzung, sind für die Sekte Anhaltspunkt für eine grundlegende Kritik an der bestehenden Gesellschaft.
Scientology ist ein in sich geschlossenes Gedankensystem, das eine kritiklose Identifikation seiner Anhänger fordert. Das im Sprachstil deutlich werdende Menschen- und Gesellschaftsbild ist antidemokratisch und antisozial. So wird zum Beispiel von „Unterdrückern“, „antisozialen Persönlichkeiten“ und „Kriminellen“ gesprochen, wenn Kritiker gemeint sind.
Ob es sich bei Scientology nicht um eine Sekte, sondern um eine Religion handelt, ist mehr als fraglich! Und verlieren die Scientologen nicht ihr Recht auf eine freie Religionsausübung (gesetzt den Fall, es handelt sich um eine Religion), wenn sie nachweislich anderen Menschen Schaden zufügen? Und warum spricht eine „Religion“ von einer „neuen Welt“ und einer „zukünftigen Rasse“?
Die taz gehört zu 100 Prozent ihren Leser:innen und ist damit nicht nur konzernfrei, sondern auch kostenfrei zugänglich. Alle Artikel stellen wir frei zur Verfügung, ohne Paywall. Gerade in diesen Zeiten müssen Einordnungen und Informationen allen zugänglich sein. Unsere Leser:innen müssen nichts bezahlen, wissen aber, dass kritischer, unabhängiger Journalismus nicht aus dem Nichts entsteht. Dafür sind wir sehr dankbar. Damit wir auch morgen noch unseren Journalismus machen können, brauchen wir mehr Unterstützung für taz zahl ich. Unser nächstes Ziel: 50.000 – wir brauchen nur noch 290 Freiwillige, dann haben wir es geschafft! Setzen Sie jetzt ein Zeichen für die taz und machen Sie mit. Mit nur 5,- Euro sind Sie dabei! Jetzt unterstützen