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Schwimmbad-Schwindel

■ Oldenburger SPD hantierte mit falschen Zahlen

Am Montag abend hatte Werner Rettig, der sozialdemokratische Fraktionsvorsitzende, vor dem Rat der Stadt Oldenburg, der über Sein oder Nicht-Sein des zum Modellfall gewordenen Schwimmbades Haarenesch zu beschließen hatte, weder sozial -noch kulturpolitische Argumente für nötig befunden, um die Schließung zu begründen. „Nicht finanzierbar“ sei der notwendig gewordene Ankauf des entsprechenden Geländes durch die Stadt. Eins bis einskommadrei Millionen Mark, das sei im „Gesamtinteresse der Stadt“ nicht zu machen. Als scheinheilig hatten das die Vertreter von DKP und Grünen bezeichnet, geniere sich die Stadt doch bei anderer Gelegenheit nicht, erheblich höhere Summen für später brachliegende Grundstücke auszugeben. Bei einer einzigen Liegenschaft habe der Zinsverlust der letzten fünf Jahre allein über 1,5 Millionen Mark ausgemacht.

Doch selbst die von der Stadtverwaltung in Gestalt des Ober

stadtdirektors ausgegebenen und von der SPD nachgeplauderten Zahlen für den Schwimmbadkauf sind nicht stichhaltig. Mitarbeiter der Bundesvermögensstelle, die als Sachwalterin bundeseigenen Geländes die Verhandlungen führte, erklärten, daß der „Kaufpreis noch gar nicht festgelegt“ sei. Es habe nur ein einziges Treffen mit der Stadt gegeben: Am 8.Juni habe die Stadtverwaltung ein Angebot zur Kenntnis genommen, das auf dem höchst möglichen Quadratmeterpreis Bauland beruhte. „Die Stadt hat keinen Versuch unternommen, über den Preis zu verhandeln“ wurde der taz mitgeteilt. Die Bundesvermögensstelle schloß gestern nicht aus, daß „das Grundstück auch viel billiger abgegeben wird“. Nachdem die Stadt keinen Bedarf an diesem Exempel für Familienfreundlichkeit und Wohnortnähe hat, stehen die Interessenten vor der Tür: Architekten, die in diesem geschätzten Wohnviertel nur selten noch Bauland unter die Finger kriegen.

anh

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