■ Cash & Crash: Schönes neues Eurogeld
Der Maastrichter Vertrag sieht für spätestens 1999 eine einheitliche Eurowährung vor – auch wenn darüber niemand mehr spricht. Die große Stille im öffentlichen Raum macht die EU-Kommission in Brüssel bereits nervös: Sollten sich die Regierungen heimlich geeinigt haben, das Eurogeld einfach zu vergessen?
Während die eigentlich zuständigen Gremien, eine Arbeitsgruppe der zwölf Notenbanken und das Europäische Währungsinstitut (EWI), noch über Wechselkursbandbreiten und Stabilitätskriterien brüten, gibt sich die Kommission verbrauchernah: Wie kommen José Santos, Natalie Dupont und Lisa Müller ohne Streß zu ihren Ecu?
Der Teufel steckt wie immer im Detail. Die Fälschungssicherheit, die Sprachen (alle auf jeder Note?), das Design (welche Köpfe sollen drauf, wessen Unterschrift schafft EU-weit Vertrauen?), die Stückelung, die Blindenschrift – noch 1995 müßte man sich einigen, wenn das Datum 1999 für die gemeinsame Währung eingehalten werden soll. 16 Milliarden Noten und 100 Milliarden Münzen wollen gedruckt und gestanzt, gut bewacht, verteilt und schließlich unter die dann vermutlich 16 Völker gebracht werden.
Soll das Geld über Nacht, wie die D-Mark in der DDR, eingeführt werden? Oder nach und nach, wegen der Kapazität der Gelddruckmaschinen? Im zweiten Fall „dürfte das Geschäft mit Taschenrechnern neu aufblühen“, vermutet die Neue Zürcher Zeitung: Wenn eine Ecu 39,8561 belgischen Francs entspricht und 0,76831 britischen Pfund, kostet ein Britenpfund 1,3016 Ecu.
Von derartigen Niederungen sind die EWI-Beschäftigten noch weit entfernt. Sie stehen vor „gewaltigen wissenschaftlichen und empirischen Aufgaben“, wie Bundesbankpräsident Hans Tietmeyer, stets besorgt um die Freiheit seiner Zentralbank von europäischen Einflüssen, höhnte. Schließlich sei die Geldpolitik in den Mitgliedstaaten so unterschiedlich, daß es eines vollen Arbeitsprogramms bedürfe, daraus ein Eurogeld-Konzept zu stricken.
Die Akzeptanz des neuen Geldes bei den Bürgern entscheidet sich vermutlich eher am Kleinkram. Zwischen Luxemburg und Belgien gibt es seit langem eine Währungsunion. Nur die Münzen passen nicht in die Automaten des Nachbarlandes... Donata Riedel
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