■ Schöner leben: Mord an der erotischen Gräfin
Hatten Sie das auch letzte Woche? Für eine Sekunde schien die Welt stillzustehen, die Augen gingen auf, als wären sie vorher zu gewesen, für einen Moment schien die Wintersonne Wärme abzugeben, und eine Vogelstimme öffnete das Ohr. Eine Stressrhythmus-Störung. Für die Jahreszeit zu früh.
Gewisse Leute leben von diesen intimen Gefühlen, die sich gern in Handlungen, meist Kaufhandlungen niederschlagen. Nehmen wir das Damenschneiderhandwerk. Weil wir Frauen ja nun nicht in die Mauser kommen, mausern wir uns äußerlich, wie, das weiß der Bundesinnungsverband. Ein Geheimpapier des Verbandes wurde uns jetzt zugespielt.
Motto 1993 ist „Farbe“! Denn „die Mode muß Freude wecken, um die Zurückhaltung der Konsumenten zu überwinden“. Blau für den Clean-Look, Grün für Sportswear. Ökos sind nie zurückhaltend und kaufen Sand und Elfenbein. Und wieder gilt: Wir dürfen feminin sein! „Jacken liegen auf der Hüfte kuppelartig auf.“ Röcke dürfen Knie umspielen. Unter Damenschneidern wird vom Silhouettenwandel geraunt, analog zum Paradigmenwandel. Die „erotische Giraffe“ mit den spitzenumsäumten Bodies sei tot, weiß die Innung, und Leggins out.
Zittere, liebe Leserin, vor dem Diktat der Damenschneider! Die wollen uns in die „großen Aufsteiger“ der Saison wickeln, die „Wohlfühlkleider“. Und warnen vor langen schmalen Kleidern, „zum Teil mit hohen Schlitzen“: Diese seien „ein Avantgarde-Thema“. Wir zwei wissen, daß wir vor diesem Thema keine Angst haben müssen. Hardburga Straßmann
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