: Scheitern ist schön
Manchmal passieren Fehler, auch in sozialen Bewegungen. Aber dafür weiß man dann, wie es beim nächsten Mal besser geht. Drei Aktivist*innen berichten von Momenten, die schiefgingen
Foto: xy
Von Jonas Waack (Text und Protokolle)
Start-ups und ihren Gründer*innen kann man vieles vorwerfen: Dass sie glauben, die Welt könne durch das „richtige“ Produkt gerettet werden. Dass sie Betriebsräten und Gewerkschaften feindselig gegenüberstehen. Dass sich ihre Ideen mehr am Zeitgeist als an Werten orientieren – immerhin sprießen dort, wo vor zehn Jahren noch nachhaltige Unternehmen gegründet wurden, nun Rüstungs-Start-ups hervor. Aber was man ihnen nicht vorwerfen kann, sind fehlendes Durchhaltevermögen oder Einfallslosigkeit.
Aus Verbissenheit und Einfallsreichtum entstand in der Start-up-Szene die Idee, das Scheitern zu zelebrieren. Menschen erzählen auf offener Bühne davon. Vom Scheitern als Lektion, als Anlass für eine Kurskorrektur oder als Chance für einen Neuanfang. „Fuckup Night“ nennen sie das. Frei übersetzt: „Verkackt-Nacht“.
Inzwischen finden weltweit hunderte solcher Veranstaltungen statt. Aber warum sollen nur Unternehmer*innen ihr Scheitern feiern? Fehler passieren schließlich überall. Soziale Bewegungen nutzen verschiedene Taktiken, um Fortschritt zu erreichen. Manche setzen auf Großdemonstrationen, andere blockieren fossile Infrastruktur. Dabei können sie im Großen scheitern: Wenn sie Hunderttausende auf die Straße bringen, aber ihr Anliegen trotzdem nicht durchsetzen können. Oder im Kleinen: Wenn sie sich mit der Stadtverwaltung zerstreiten und das Ordnungsamt der Bühne den Starkstromstecker ziehen will.
Wir haben deshalb drei Aktivist*innen gefragt, welche Fehler sie gemacht haben. Und was sie daraus gelernt haben.
Nach dem Erfolg der AfD bei den Landtagswahlen in Sachsen-Anhalt bangen viele Menschen um die Zukunft, es droht die erste AfD-Regierung. Das wäre eine (weitere) Zäsur für Deutschland. Gerade jetzt braucht es Zusammenhalt und Solidarität. Auch und vor allem mit den Menschen, die sich vor Ort für eine starke Zivilgesellschaft einsetzen. Die taz kooperiert deshalb mit "Alles beginnt im Zentrum". Die Kampagne unterstützt bundesweit linke, selbstverwaltete Orte und baut einen solidarischen Fonds für deren Schutz und Erhalt auf. Eine offene Gesellschaft braucht guten, frei zugänglichen Journalismus – und zivilgesellschaftliches Engagement. Finden Sie auch? Dann machen Sie mit und unterstützen Sie unsere Aktion. Jetzt unterstützen