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Scharping fordert Ratio

■ Bei der Präsidiumssitzung in Berlin wurde Geschlossenheit demonstriert

Berlin/Bonn – Nach den monatelangen Führungsquerelen hofft SPD-Chef Rudolf Scharping nun auf den „inneren Zusammenhalt“ der Partei. Dafür sei die Klausurtagung des Präsidiums in Berlin „ausgesprochen hilfreich“ gewesen, sagte Scharping nach der Sitzung am Samstag. Jetzt werde „rationaler und zukunftsträchtiger“ mit Problemen umgegangen, versicherte er mit Blick auf die Streitigkeiten.

Schröder äußerte auf der Tagung erneut Kritik am Wirtschaftskurs seiner Partei und forderte, daß die Sozialdemokraten ihre Parteitagsbeschlüsse nicht länger „als Monstranz vor sich hertragen“ sollten. Die Bonner SPD-Abgeordneten Peter Struck und Otto Schily riefen die Partei auf, sich endlich wieder mit dem politischen Gegner auseinanderzusetzen.

Nach der zweitägigen Sitzung sagte Scharping, daß er „nichts schönreden“ wolle. „Wir haben unsere Schwierigkeiten“, räumte er ein. Scharping sprach aber vom „Beginn eines positiven Prozesses“ und betonte: „Jeder hat die Verpflichtung, gemeinsame Überzeugungen voranzubringen.“ Zum Streit mit Schröder wollte er sich nicht äußern. Scharping betonte nur, daß er Schröders Ansicht zustimme, daß die SPD die zukunftsträchtigsten Wirtschaftsideen habe.

Nach einer emnid-Umfrage im Auftrag des Privatsenders n-tv halten 51 Prozent der Deutschen die Ablösung Schröders als wirtschaftspolitischen Sprecher für falsch. Der Geschäftsführer der SPD-Fraktion im Bundestag, Struck, warnte seine Partei eindringlich davor, angesichts des Stimmungstiefs der SPD weiter „Öl ins Feuer zu gießen“. Im Sender Freies Berlin sagte er, es bringe „absolut gar nichts, sich gegenseitig runterzumachen und den politischen Gegner zu vernachlässigen“. Der SPD-Fraktionsvize Schily wies Berichte als übertrieben zurück, wonach viele SPD-Abgeordnete enttäuscht und fassungslos auf den jüngsten Parlamentsauftritt von Scharping reagiert hätten.