Schalke sortiert aus: Korrekturen wider das Chaos

Schalke 04 entledigt sich zu Jahresbeginn etlicher Altlasten. Nach zahlreichen Fehlinvestitionen wächst das Vertrauen in den eigenen Nachwuchs.

Trainingsauftakt bei Schalke - ohne Zé Roberto II, der unentschuldigt fehlte. Bild: dpa

KÖLN taz Es war ein Jahresauftakt, der zur gegenwärtigen Situation bei Schalke 04 passt wie der Schneefall zur ersten Januarwoche. Der Klub durchschreitet eine düstere Phase, in der Bundesliga wurden die Erwartungen bislang nicht erfüllt, im Uefa-Cup ist der Klub nach einer enttäuschenden Gruppenphase ausgeschieden, und die millionenschweren Neueinkäufe des vergangenen Sommers funktionieren bislang nicht. Manche Beobachter behaupten gar, die Demission von Manager Andreas Müllers sei nur noch eine Frage der Zeit. Am Samstag haben sie sich nun zum Trainingsauftakt getroffen, und das erste Kommuniqué, das an die Öffentlichkeit gerichtet war, hatte der Pressechef mit dem vieldeutigen Betreff "Personelle Veränderungen beim FC Schalke 04" versehen.

Ein ganzer Strauß von Veränderungen wurde bekannt gegeben: Albert Streit und Peter Lövenkrands gehören ab sofort nicht mehr dem Profikader an, Zé Roberto II fehlte unentschuldigt beim Trainingsauftakt, Gustavo Varela verlässt den Klub. Dafür trainieren künftig vier Talente aus dem eigenen Nachwuchs mit der ersten Mannschaft. Auf den ersten Blick wirkt das wie eine nahtlose Fortsetzung des Schalker Personalchaos aus dem Vorjahr. Man kann die Entscheidungen allerdings gleichermaßen als überfälligen Akt der Selbstreinigung begreifen. Varela trainierte ebenso wie Carlos Grossmüller schon seit dem Herbst nur noch bei der Reserve. Streit sowie Lövenkrands spielen ebenfalls längst keine Rolle mehr. Sie haben vor Wochen schon ihren Wunsch nach einem Vereinswechsel publik gemacht.

"Wir brauchen einen Kader, in dem jeder sich voll und ganz allein auf Schalke konzentriert, seine hundertprozentige Leistung abruft, den gesunden Konkurrenzkampf mit seinen Mitspielern sucht und nicht mit den Gedanken schon anderswo ist", erklärt Müller den Schritt. Unzufriedene Außenseiter stören den Alltagsfrieden, und deshalb sind sie gar nicht einmal unglücklich darüber, dass Zé Roberto offenbar nicht nach Deutschland zurückzukehren gedenkt.

Sein Fernbleiben sei ein "Verstoß gegen seinen Arbeitsvertrag", sagt Müller, der verlängerte Urlaub hilft vielleicht sogar bei der Umsetzung des Plans, den Brasilianer von der Gehaltsliste zu bekommen. Das wollen sie auch in den Fällen Streit, Grossmüller und Lövenkrands hinbekommen. Wenn wenn Müller diese Transfers gelingen, wenn vielleicht sogar noch ein paar Euro Ablöse fließen, dann kann der Jahresauftakt sogar als Erfolg für den Manager gelten. Es handelt sich weniger um einen Chaosstart als um eine Korrektur der Fehler der Vergangenheit.

Grossmülller, Streit, Lövenkrands und Zé Roberto haben insgesamt geschätzte 20 Millionen Euro an Gehältern und Ablösesummen gekostet, keiner von ihnen hat die Erwartungen auch nur annähernd erfüllt. Wenn Müller außerhalb der Bundesliga einkauft, geht es meist schief. Sollten am Saisonende Jefferson Farfan und Orlando Engelaar ebenfalls der Kategorie Fehlinvestitionen angehören, dürfte 2009 tatsächlich ein neuer Manager auf Schalke anfangen. Da ist es nur konsequent, dass Rutten und Müller sich nun ganz in der Nähe umgesehen haben: beim eigenen Nachwuchs.

Der gebürtige Gelsenkirchener Danny Latza, der seit zehn Jahren für Schalke spielt, ist von der U23 in den Bundesliga-Kader aufgestiegen. Rutten hält ihn für ein "großes Talent" und glaubt, dass der Mittelfeldspieler "für höhere Aufgaben" bereit sei. Einen "ersten Schnupperkurs" bei den Profis absolvieren zudem die U19-Spieler Pedrag Stevanovic, Andreas Wiegel und Marvin Pachan. Offenbar ist das Vertrauen in die eigene Nachwuchsarbeit mittlerweile größer als in die Scoutingabteilung. Gut möglich, dass nach diesem Knalleffekt zum Jahresauftakt tatsächlich so etwas wir Ruhe einkehrt auf Schalke.

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