Russischer Premier Medwedew im Netz

Herzensschwäne auf Instagram

Alles läuft nach Plan. Das ist die Botschaft der russischen Regierung, die Dmitri Medwedew auch über seine Social-Media-Accounts verbreitet.

Dmitri Medwedew begutachtet fachmännisch ein Smartphone aus russischer Produktion. Bild: dpa

Moskau im Januar? „Kalt.“ Wirklich überraschende Erkenntnise kann der Instagram-Nutzer damedvedev seinen über 300.000 Followern nicht mitteilen. Das Foto vom verschneiten Siegespark ist ordentlich komponiert, jedoch unspektakulär. Gemacht hat es der ehemalige russische Präsident und heutige Ministerpräsident Dmitri Medwedew. Seinen Account hat er seit Mai 2012, als er wieder hinter Putin in die zweite Reihe zurücktreten musste. Anders als etwa @barackobama greift der weiterhin mächtige Staatsmann aber auch selbst zum Smartphone – und macht kräftig Werbung für die am Freitag beginnenden olympischen Winterspiele.

Immer wieder hat er in den letzten Monaten seine Besuche der Baustellen im maritimen Sotschi dokumentiert. Bei der Universiade, einer Art studentischer Olympiade, war er im Vorjahr ebenso wie beim Vorverkaufsstart der Paralympics. Alles verläuft nach Plan, man zählt im Kopf bereits die Goldmedaillen. So die durchgehende Botschaft.

Der Account deckt aber noch andere Themenfelder ab. „Kaninchen – es ist nicht nur das wertvolle Fell …“, heißt es bei einer Landwirtschaftsmesse. Den neuen elektronischen Personalausweis präsentiert man und auch den neuesten russischen Panzertyp. Agenturbilder und von Medwedews Stellvertreter Arkadi Dworkowitsch getätigte Aufnahmen vermischen sich mit dessen eigenen Fotos. Beim Treffen der Schanghaier Organisation für Zusammenarbeit postet Medwedew gar heimlich-schulbübisch direkt vom Verhandlungstisch der versammelten Regierungschefs.

Vor allem aber scheint er die Natur zu mögen, fotografiert nur allzu gerne sibirische Landschaften, Schmetterlinge und seine beiden Hunde. Genauso wie der weniger feinfühlige Putin zeigt Nummer Zwei dabei, dass vermeintliche Nahbarkeit ebenso Kernelement russischer Politikinszenierung ist wie die Eigeninitiative. Und so befindet sich der Ministerpräsident zwischen dem ersten Schneefall und grünem Herbstgras beim Begutachten einer Schusswaffe: „Die heimische Produktion von Kleinwaffen – eine Priorität russischer Rüstungspolitik“. Dafür gibt es fast 15.000 Herzen; für zwei, ein Herz bildende Schwäne allerdings 24.000.

Einmal zahlen
.

Bitte registrieren Sie sich und halten Sie sich an unsere Netiquette.

Haben Sie Probleme beim Kommentieren oder Registrieren?

Dann mailen Sie uns bitte an kommune@taz.de