Rudolf Haas - die grüne Axt im Walde: Sächsischer Grünenchef tritt zurück

Wer als Grüner Wald besitzt, sollte beim Holzeinschlag vorsichtig sein. Dem Landesvorsitzenden der sächsischem Grünen, Rudolf Haas, wurde ein Fristversäumnis zum Verhängnis.

Rudolf Haas hat zu viel Holz gefällt. Den Parteitag seiner Sachsen-Grünen erlebt er darum nicht mehr als Landesvorsitzender. Bild: dpa

Wenn man einen Wald abholzt und nicht dem Brandenburger Waldgesetz gemäß aufforstet, wird man als Grüner leicht angreifbar. Diese Nachlässigkeit in Verbindung mit persönlichen Trennungsproblemen wurde Rudolf Haas jetzt zum Verhängnis. Kurz vor dem Landtagswahl-Parteitag der sächsischen Bündnisgrünen an diesem Wochenende trat er als Landesvorsitzender zurück. "In einem Jahr mit vier Wahlen hat die Geschlossenheit der Partei Priorität vor allen anderen Erwägungen", erklärte er.

Der gelernte Forstwirt steht gemeinsam mit Eva Jähnigen erst seit zwei Jahren an der Spitze des grünen Landesverbandes und wurde im September 2008 wiedergewählt. 1955 in Österreich geboren, lebt er seit 1973 in Deutschland und seit 1999 in Sachsen. Er war Bundesschatzmeister des BUND, wurde grüner Stadtrat in Radebeul, saß im Meißner Kreistag und erreichte vergangenes Jahr als Landratskandidat 8,4 Prozent der Stimmen.

Gemeinsam mit seiner damaligen Lebensgefährtin gründete er die Forst Consulting Service Radebeul (FCS), die auch im brandenburgischen Lieberose am Schwielochsee über Wald verfügt. Dort sind dem Grünen einige Anwohner wie auch die Oberförsterei inzwischen gar nicht mehr grün. In einem Fall hat er nach Auffassung der Oberförsterei zu viel Altbestand eingeschlagen - rechtlich unangreifbar, nur ökologisch bedenklich. Im anderen Fall soll er die Frist von drei Jahren für eine Wiederaufforstung nicht eingehalten haben und wurde deshalb mit einem Bußgeld von rund 2.100 Euro belegt. Haas setzte auf die preiswerte Methode natürlicher Waldvermehrung, bei der einige Bäume stehen gelassen werden.

Dieses Verhalten scheint im Widerspruch zu seinen vehementen Waldschützeraktivitäten in Radebeul und im Kreis Meißen zu stehen. Vielleicht wäre die Waldaffäre einfach im märkischen Sand versickert, hätte Rudolf Haas nicht kurzsichtig Widerspruch gegen den Bußgeldbescheid eingelegt. Vor der in dieser Woche anstehenden Verhandlung am Cottbuser Amtsgericht zog er ihn schließlich zurück. Doch da war es schon zu spät, Medien hatten die Geschichte entdeckt.

Damit zog er sich freilich den Ärger seiner Parteifreunde zu. "Solche Dinge müssen offen kommuniziert werden", meint Kosprecherin Eva Jähnigen. Dieses Versäumnis hat Haas auch eingeräumt. Er benötige jetzt seine "ganze Kraft für einen beruflichen und privaten Neuanfang". Neben der eloquenten Anwältin Eva Jähnigen erschien Haas ohnehin als der stille Arbeiter im Hintergrund und hatte wenig Medienkontakte. Ende März soll auf einer Landesversammlung die sächsische Doppelspitze wieder komplettiert werden.

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