Recht auf Nahrung: Keine Hilfe für die Hungernden

UN-Treffen in Madrid zur "Nahrungsmittelsicherheit für alle" endet ohne konkrete Beschlüsse. Oxfam fordert, Entwicklungsländer stärker zu beteiligen.

Protestaktionen begleiteten das UN-Hungermeeting in Madrid. Bild: ap

MADRID taz Der letzte Satz des vierseitigen Abschlussdokuments der Konferenz "Nahrungsmittelsicherheit für alle" in Madrid spricht für sich: "Die Teilnehmer verpflichteten sich zu erreichen, dass die Nahrungsmittelsicherheit für alle eine Realität wird", beteuern die Vertreter von 120 Ländern, die auf Einladung des spanischen Regierungschefs José Luis Rodríguez Zapatero und von UN-Generalsekretär Ban Ki Moon für zwei Tage in die spanische Hauptstadt gekommen waren. Konkrete Maßnahmen zur Bekämpfung des Welthungers legten sie am Dienstag keine vor. Dementsprechend hart fiel das Urteil der Beobachter aus.

"Statt kritisch Bilanz zu ziehen, was seit dem letzten Welternährungsgipfel getan und unterlassen wurde, versuchten sich alle Akteure ins rechte Licht zu setzen", beschwert sich der grüne Bundestagsabgeordnete Thilo Hoppe. "Bei all dem Selbstlob wurde verschwiegen, dass viele Versprechungen, die auf dem Welternährungsgipfel im Mai 2008 in Rom gemacht wurden, bisher nicht eingelöst wurden", erklärt der Vorsitzende des Entwicklungsausschusses des Deutschen Bundestages. So wurden damals 12 Milliarden Euro zur Bekämpfung des Hungers zugesagt, doch bisher nur knapp 25 Prozent davon auch gezahlt. Außerdem habe die Konferenz versäumt, "den Anteil des Agrobusiness an der Welternährungskrise" zu analysieren, beschwert sich Oxfam, wie die meisten der anwesenden Nichtregierungsorganisationen. Das Hungerproblem lasse "sich keinesfalls, wie von der Wirtschaft gefordert, mit Gentechnik, mehr Düngemitteln und Pestiziden sowie freien Märkten lösen".

Stattdessen fordern die Aktivisten eine neue Partnerschaft, um das Recht auf Nahrung durchzusetzen. Sie verlangen, dass die Vertreter des Agrobusiness nicht an den Steuerungsgremien zur Hungerbekämpfung beteiligt werden. Stattdessen gelte es, die Entwickungsländer "demokratisch einzubinden", so Oxfam.

Derzeit leiden knapp eine Milliarde Menschen unter Nahrungsmittelmangel. Damit ist die Weltgemeinschaft weit davon entfernt, das von der UNO gesteckte Millenniumsziel, Hunger und Armut zu beseitigen, zu erfüllen. Heute sei die Situation gravierender als beim ersten Gipfel zur Welternährung 1996, erklärte der Vorsitzende der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der UN (FAO), Jacques Diouf, in seiner Eröffnungsrede.

Die meisten der Betroffenen können sich die Lebensmittel einfach nicht leisten. Die hohen Preise im vergangenen Jahr haben mehrere Gründe. Zum einen steigt der Bedarf an Fleisch und Milchprodukten in den Schwellenländern, wie in China und Indien; Getreide wird so zum Futtermittel. Zum anderen kaufen oder mieten die reichen Nationen sowie die arabischen Ölstaaten riesige Flächen, um Pflanzen für die Gewinnung von Biodiesel und Bioethanol anzubauen. Diese Großinvestitionen verdrängen Kleinbauern. Diouf rechnet vor, dass für eine ständig steigende Weltbevölkerung bis 2050 doppelt so viele Lebensmittel produziert werden müssten wie heute.

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