Rätsel um verlorenes Kind gelöst: Ein Junge sorgt für Aufregung

Mohamed war das Sommerthema Nr. 1 in Frankreich, ein kleiner Junge, der verloren ging, den niemand kannte und niemand vermisste. Jetzt ist das Rätsel gelöst.

Nein, um Nicolas Sarkozy geht es diesmal nicht - nur um seine Einwanderungspolitik. Bild: rts

PARIS taz Blonde Locken. Ein weit zu einem Schrei aufgerissener Mund. Und Tränen, die über das hübsche Gesichtchen kullern. Das Bild ist in den vergangenen zwei Wochen vielfach durch die französischen Medien gegangen. Der kleine Junge auf dem Foto war das diesjährige Hochsommerthema in Frankreich.

Am 5. August irrte der Junge durch das Hochhausviertel Fonscolombes im Norden von Marseille. Allein. Niemand kannte ihn. Niemand vermisste ihn. Die Ermittler brachten das Kind erst in ein Heim, dann in einer Pflegefamilie unter. Dutzende von Müttern anderer Kinder durften ihre Entrüstung in Fernsehkameras sagen: "Keine Mutter aus diesem Stadtteil würde ihr Kind im Stich lassen." Jetzt hat sich das Mysterium um den kleinen Jungen etwas gelichtet. Er heißt Mohamed, ist 30 Monate jung und seine Mutter, die erst am Sonntagabend erfahren hat, dass ihr jüngstes Kind zwei Wochen zuvor allein durch die Stadt irrte, ist am Dienstag aus Algerien zurückgekehrt. Seither tun sich neue Probleme auf. Jetzt geht es nicht mehr um Kindesvernachlässigung, sondern um illegalen Aufenthalt in Frankreich.

Schon bei ihrer Ankunft am Flughafen von Marseille wurde die 34-jährigen Fatma von der französischen Grenzpolizei verhaftet. Sie steht unter dem Verdacht der Beihilfe zum illegalen Aufenthalt. Ein Delikt, das im neuen Frankreich von Nicolas Sarkozy und seinem Minister für Einwanderung und nationale Identität, Brice Hortefeux, schwer bestraft wird.

Mohameds Mutter, die mit Aufenthaltsberechtigung in Marseille lebt, war nach eigener Aussage in aller Eile nach Algerien gereist, um ihre eigene, inzwischen verstorbene Mutter noch einmal zu sehen. Den kleinen Mohamed, für den sie noch keinen Pass hatte, brachte sie bei einer Freundin unter. Fatma gab der Freundin Kleidung und Nahrungsmittel sowie 500 Euro für die Versorgung von Mohamed. Von Algerien aus rief sie mehrfach an. "Mohamed geht es gut", sagte die Freundin. Und ließ sich Ausreden einfallen, warum sie ihn nicht ans Telefon holen könne. Dass sie das Kind schon am 5. August in einem Park verlor, gestand sie der Mutter erst am vergangenen Sonntag.

Die "Freundin", die sich um Mohamed kümmern sollte, hat offenbar keine Aufenthaltsgenehmigung. Deswegen habe sie sich nicht zur Polizei getraut, sagte sie der Mutter ihres Zöglings am Telefon. Inzwischen ist die Freundin untergetaucht, und die Polizei fahndet nach ihr.

Den kleine Mohamed, dessen Familienzusammenführung zwei Wochen lang oberste Priorität war, hat die Mutter noch immer nicht wiedergesehen. Der Staatsanwalt in Marseille will, bevor das passiert, erstens herausfinden, ob die Mutter wusste, dass ihre Freundin keine Aufenthaltsgenehmigung hatte, und zweitens, ob die arbeitslose Mutter überhaupt in der Lage ist, sich angemessen um ihre Kinder zu kümmern.

Einmal zahlen
.

Fehler auf taz.de entdeckt?

Wir freuen uns über eine Mail an fehlerhinweis@taz.de!

Inhaltliches Feedback?

Gerne als Leser*innenkommentar unter dem Text auf taz.de oder über das Kontaktformular.

Bitte registrieren Sie sich und halten Sie sich an unsere Netiquette.

Haben Sie Probleme beim Kommentieren oder Registrieren?

Dann mailen Sie uns bitte an kommune@taz.de