■ Radiodays: Montag
Erst seit den siebziger Jahren rückten auch „namenlose“ Opfer des Nazi-Terrors ein wenig mehr in das Blickfeld der Exilforschung. Irmela Körner berichtet im NDR4 von vermeintlich „unspektakulären“ jüdischen Emigrantinnen: „Ich bin doch eine der letzten, die noch weiß...“ um (10.05 Uhr).
In der Uraufführung des Satzauswahlkünstlers Ronald Steckel ist der „erste Philosoph“ des Landes Thema: Jacob Böhme heißt der Glückliche, dem Hegel dieses Lob verpaßte. Aus Böhmes mystischem Werk klaubte Steckel 220 Sätze, die er von 140 „Freiwilligen“ sprechen ließ. Nach allen Regeln der Computerkunst zu einer „akustischen Komposition“ verfremdet, erleben diese erlesenen Sätze um 20Uhr beim SFB3 ihre Auferstehung. Wir wünschen Aurora oder Morgenröte im Aufgang einen Restgehalt an Sinnlichkeit!
Wenn der Autor mit dem Denker... Dann kann vom Zahn der Jetztzeit schon mal die ganze Gattung angenagt werden! Vielleicht hatte Christian Linder Maurice Blanchots Spekulationen über das Verschwinden der Literatur auf dem Herzen, als er sein Opus Der Tod des letzten Schriftstellers verfaßte. Egal! Wer auch immer für Linders Idee Pate stand, des Geistes Kind ist schrecklich: Das Hörstück spielt irgendwann, in nicht zu weiter Zukunft. Der letzte schreibende Kopfmensch rüstet sich zum Ableben. Und auf daß die Welt nicht völlig geistentleert zurückbleibe, hinterläßt er eine Gabe: Die Nachruf-Collage auf alle Dichter. Unser virtueller Autor projiziert auf den Hintergrund dieser kondensierten Literaturgeschichte eine Diskussion über das Verschwinden der Spezies Dichter (WDR3, 21.00Uhr). GeHa
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